In den letzten Wochen habe ich mir mal Gottesdienste der anderen Art angeschaut und mitgefeiert.
Auf die Idee bin ich schon vor einigen Jahren gekommen, als ich auf einer Hochzeit eingeladen war, die in einer Freien Evangelischen Gemeinde gefeiert wurde. Was mich fasziniert hat, war einerseits die moderne Gestaltung, aber auch die modernen Lieder. Es wurden viele Lieder von Layna gesungen, deren Text mit Hilfe eines Beamers auf einer Leinwand gezeigt wurde. Liederbücher wurden also nicht gebraucht.
Allerdings war ich zu der Zeit in einer sehr streng katholischen Umgebung und so ist der Wunsch, mir das mal genauer anzusehen, schnell wieder in Vergessenheit geraten. Vor Kurzem habe ich dann einen Freund wiedergetroffen, der mir erzählte, dass er aus der Kirche ausgetreten ist. Ich habe es ihm nicht zugetraut, weil auch er katholisch aufgewachsen ist. Das Geld spendet er für einen guten Zweck - Grund des Austritts war also nicht das Geld. Er hat mir dann erzählt, dass er öfter mal zu Gottesdiensten und Treffen in einer Freien Evangelischen Gemeinde geht. Da ging mir wieder das Licht auf und ich habe mich in Leverkusen umgesehen, um auch hier eine Freie Evangelische Gemeinde zu finden. Ich habe eine E-Mail dorthin geschickt und bekam relativ schnell eine Antwort mit der Beantwortung meiner Fragen. Also bin ich zu dem nächstmöglichen Gottesdienst gegangen, um es mir mal persönlich anzusehen. Sofort wurde ich angesprochen, freundlich aufgenommen, mir wurde viel erklärt, die Räumlichkeiten wurden mir gezeigt und ich habe erste Kontakte geknüpft. Allerdings war der Gottesdienst gar nicht so modern, wie ich es mir vorgestellt hatte. Die Lieder, die gesungen wurden, kannte ich nicht und der Gemeindesaal war ziemlich leer. Es war ein Gottesdienst mit Abendmahl (mit Brot und Wein), was ich so von der katholischen Kirche nicht kannte. Also habe ich nicht teilgenommen. Ich war die einzige, die am Abendmahl nicht teilgenommen hat. Überraschend. Von der Katholischen Kirche kenne ich es so, dass immer welche nicht zur Kommunion gehen. Hier war das nicht so. Das fand ich auffällig gut. Die Woche darauf habe ich wieder am Gottesdienst teilgenommen, es war Israel-Sonntag. Verschiedene Bilder zum Thema Israel - bekannte und weniger bekannte, erschreckende und erfreuliche, schöne und traurige, viele Gegensätze - dazu nachdenkliche Worte und zwischendurch immer wieder Musik. Teilweise wurden Lieder durch die Gemeinde gesungen und teilweise gab es Musik von Crazy Freilach. Wirklich faszinierend, wieviel Stimmung und zeitgleich Nachdenklichkeit man mit 3 Instrumenten hinbekommen kann. Durch ein wechselndes Tempo war es interessant und spannend, was als nächstes kommt. Schon alleine faszinierend, wie sie ihre Instrumente beherrschen und damit die Leute mitreißen. Einen Applaus, der nicht enden wollte, gab es zum Schluss. Zu Hause angekommen, habe ich mir sofort die Internetseite angesehen und mehr Lieder von ihnen angehört. Ich denke, dass auch das Sehen eine Rolle mitgespielt hat, denn zu Hause haben mich die Lieder nicht so angesprochen wie dort in der Gemeinde. Vielleicht werde ich mir mal ein Konzert von ihnen ansehen und anhören.
Aber zurück zur Gemeinde:
Vieles dort gefällt mir, hat mich angesprochen und auch nachdenklich gemacht. Viele Fragen sind aber noch offen, obwohl mir viele Fragen auch schon beantwortet wurden. Ich habe dort im Gemeindebrief nämlich einen Namen gelesen von jemanden, den ich kannte und habe ihn dann angesprochen. Wir haben uns nun schon viel unterhalten über seine Gründe, dort beizutreten und mitzuwirken. Über seine Überzeugung, die ihn zum Beitritt bewegt hat und über seine Zweifel, die er vorher hatte. Das scheint ein glücklicher Zufall gewesen zu sein, dass ich gerade an dem Tag dort war, an dem sein Name im Gemeindebrief stand und ich diesen dann auch gelesen habe. Kann Zufall gewesen sein, aber kann auch ein Zeichen Gottes sein.
Warum soll man nämlich immer in den gleichen Bahnen schwimmen, in denen man immer geschwommen ist? Warum nicht mal ausbrechen aus der Gewohnheit und etwas Neues ausprobieren? Das Wichtigste ist der Glauben - egal, wo er gelebt wird.
Natürlich bleibe ich weiterhin skeptisch und werde nicht beitreten, bevor alle meine Fragen beantwortet sind. Diese Beantwortung wird sich durch häufigere Teilnahme an Gottesdiensten, aber auch durch Gespräche mit anderen Gemeindemitgliedern ergeben. Der Altersdurchschnitt ist aus meiner Sicht in dieser Gemeinde viel niedriger als z. B. in der Katholischen Kirche, was daran liegen kann, dass der Gottesdienst in der Freien Gemeinde viel moderner ist. Und dass man dort aus freier Entscheidung Mitglied wird und nicht weil die Eltern es für das Kind entscheidet. Kinder werden dort nur gesegnet und können dann später selbst entscheiden, ob sie beitreten möchten. Das ist ein wesentlicher Unterschied.
Was mir sehr gefällt, ist, dass ich dort - obwohl ich jetzt schon ein paar mal da war - nicht gedrängt werde zu einem Beitritt. Der Bekannte sagte, dass er dort jahrelang hin ging ohne jemals gefragt worden zu sein, ob er beitreten möchte. Man tritt bei aus freier Entscheidung und nicht aus Zwang oder weil man überredet wird. Das ist vorbildlich.
Ich werde es mir weiterhin anschauen und dann über weitere Erfahrungen, Erlebnisse und Unterschiede berichten.