Sonntag, 29. August 2010
Ich höre sehr gerne Musik. Deshalb möchte ich mal einen Beitrag darüber schreiben. Musik ist für mich etwas ganz Bedeutungsvolles, nicht nur so eine Hintergrundberieselung. Ich scheine damit nicht viele Gleichgesinnte haben. Das fällt mir immer wieder auf, wenn ich jemanden darauf hinweise "Hör mal auf den Text" und diese Person dann nichts damit anfangen kann. Und es scheint so zu sein, dass viele Menschen die Musik toll finden, wenn die Melodie ihnen gefällt und der Text dabei zweitrangig ist. Bei mir ist das anders, denn ich höre viel mehr auf den Text. Natürlich muss die Melodie dazu passen, aber das ist nicht die Hauptsache. Ich höre in verschiedenen Situationen ganz unterschiedliche Musik: Reinhard Mey, Michael Wendler, Nic P., Olaf Henning, Pur, Ich & Ich, Die Ärzte, Die Toten Hosen und sogar auch einige Lieder von Böhse Onkelz. Wie Ihr seht - ziemlich gemischt.
Ich kann mich ziemlich gut in die Situation reinfühlen, in der dieser Song möglicherweise gerade geschrieben wurde. Bei Pur kann man die Entwicklung z. B. sehr gut erkennen. Lieder wie "Freunde", "Brüder", "Ich lieb Dich" und "Prinzessin" sind schon vor vielen Jahren entstanden. Da spielten scheinbar Freundschaften und Beziehungen eine große Rolle in Hartmut Engler´s Leben. Danach kamen Lieder wie "Ein graues Haar", bei dem es sichtbar wird, dass auch er sich mit dem Alter beschäftigt. Das Album "Mächtig viel Theater" beschäftigt sich dann mit der Familienplanung und besonders auch mit der Sichtweise von Männern bei diesem Thema. Besonders fiel mir das auf bei Liedteilen wie "Du kannst mich nicht sehen, Du kannst mich nur singen hören" oder "Deine Mutter schaukelt Dich schon raus". "Kinder sind tabu" beschreibt dann ein Thema aus dem Leben, das häufig verschwiegen wird. Doch er deckt es auf und singt es heraus. Mit der Cd "20 Jahre eine Band" wurden dann nochmal die schönsten Lieder auf eine Cd gebracht und zeigen den Stolz, dass sie schon 20 Jahre lang auf dem Markt sind und die Fans immer treu dabei sind. Die Cd "Nichts ohne Grund" beschäftigt sich dann mit schwierigen Themen wie z. B. "Mein Freund Rüdi", bei dem es um einen behinderten Freund geht, der Musik liebt. Auch wenn er nicht so ist wie wir, sieht man, dass er Freude hat und sich zur Musik bewegt. Das Lied "Ohne Dich" mit dem Refrain "Ich schaff es ganz und gar nicht ohne Dich" ist ebenfalls etwas mitten aus dem Leben. Hat nicht irgendwie jeder einmal damit zu tun, dass er jemanden an der Seite braucht und etwas zu zweit viel leichter von der Hand geht? Besonders berührt hat mich auch das "Lied für all die Vergessenen". Klar werden am Besten immer diejenigen gesehen, die im Rampenlicht stehen, wie z. B. die Politiker, die Firmenchefs, die Prominenten - aber gibt es nicht auch ganz viele Unbekannte, die eine Riesenleistung bringen und von niemandem gesehen werden? Hartmut Engler vergisst auch sie nicht. Die Cd "Unendlich mehr" zeigt auch Probleme dieser Welt mit "Anonyme Opfer" oder seine Kinderliebe durch "Herz für Kinder". Auf der Cd wie im Film kenne ich nicht viele Lieder. Sie ist irgendwie an mir vorbeigegangen. "Wenn sie diesen Tango hört" beinhaltet die schwierige Zeit, in der viel Aufbauarbeit in der Nachkriegszeit geleistet wurde. Das Wort später hat eine große Rolle gespielt. Dieses später ist jedoch nicht eingetreten, weil der Mann verstorben ist. Und "wenn sie diesen Tango hört" vergisst sie die Zeit, weil sie sich zurück erinnert. Sie hat so gern getanzt mit ihm. . . Das Lied "Fallen" von der Cd "Vorsicht zerbrechlich" handelt von Vertrauen zu jemandem, bei dem man sich einfach fallen lassen kann. Gibt es so etwas überhaupt? Über Gott und den Tod seines Vaters singt er im Album "Was ist passiert?" mit den Liedern "Walzer für Dich" und "Bitte lieber Gott". Ich habe das Lied "Walzer für Dich" live erlebt und es ist wirklich traurig. Weil es alles Situationen aus seinem Leben sind, kann er diese wirklich sehr real und gefühlstreu singen. Das erzeugt Mitgefühl. "Es ist wie es ist" beschäftigt sich mit "Streiten", "Streng Dich an" und beinhaltet, dass sich vieles nur mit Anstrengung ändern lässt und dass Streit dazu gehört. Das Album gibt Motivation und gleichzeitig auch den Hinweis, dass man Dinge so hinnehmen sollte, wie sie sind. So lebt es sich oft viel leichter. Zum guten Schluss kam das Album "Wünsche" aus dem September 2009 nach 3 Jahren. In dieser Zeit war viel passiert. Hartmut Engler singt über schwierige Zeiten mit Krankheiten (Gesund), seine Vergangenheit (Winter 59), Engagement (Frau Schneider), Selbstbewusstsein und Motivation (Stell Dich) und wichtige Dinge, die oft nicht mehr berücksichtigt werden in unserer heutigen Zeit (Menschlichkeit). Diese Lieder sind wirklich genial. Denn auch hier kann ich mich wunderbar in die Hintergründe hineinversetzen. In der heutigen schnelllebigen Zeit sind psychische Krankheiten (Abhängigkeiten, Burnout, Depression) auf dem Vormarsch. So kennt bestimmt jeder jemanden, der eine dieser Krankheiten hat. Das Lied "Winter 59" gibt zu erkennen, dass die Vergangenheit und die Kindheit einen sehr großen Einfluss auf die heutige Zeit und das eigene Verhalten hat. Wussten wir das nicht alle schon - aber wollen wir es wirklich immer wahrhaben? "Stell Dich" heißt die Devise, denn was bringt es, davor wegzulaufen? Auch in dieser schnelllebigen Zeit spielt "Menschlichkeit" immer weniger eine Rolle. Es beruht alles auf Fakten, muss schnell gehen, da bleibt keine Zeit für Nettigkeiten. Hartmut Engler singt es heraus und wir alle sollten uns fragen, ob das die Zukunft sein soll. Möchten wir wirklich eine Welt aus Fakten und einem nüchternen Umgang miteinander? Sind Grußformeln und Freundlichkeiten egal, wie z. B. ein kurzes "Wie geht´s Dir" bei einem persönlichen Zusammentreffen oder ein netter Gruß am Anfang und am Beginn einer E-Mail. So viel Zeit muss sein, denke ich mir. Häufig wird das in der Geschäftswelt anders gesehen und gelebt. Natürlich ist das auch von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Jeder sollte sich so verhalten, wie es zu ihm passt - ob rational ohne viele Nettigkeiten oder emotional mit Grußformeln. Mehr und mehr habe ich das Gefühl, dass die Rationalität die Überhand gewinnt, was ich nicht unbedingt gut finde. Deshalb werde ich auch weiterhin meine Menschlichkeit bewahren und E-Mails mit Nettigkeiten beginnen und abschließen.
Nun zurück zur Musik: Ich denke, dass bei den Texten von Pur jeder einmal in eine besungene Situation kommt und sich dort wiedererkennt. Ich verbinde mit vielen Liedern auch Erinnerungen und weiß oft sehr genau, was ich dabei erlebt habe. Z. B. die erste Fahrt mit dem eigenen Auto bei "Im Wagen vor mir" oder tanzen gehen mit Freunden bei "I wanna dance with somebody", Fahrt im Auto mit Freunden bei "Kedengedeng", quatschen mit meiner Schwester bei "Freunde" und "Brüder", "Girls wanna have fun" ebenfalls beim Tanzen, "Auch wenn es nicht vernünftig ist" bei tiefgreifenden Gesprächen mit Freunden, "With or without you" beim Kennenlernen meines Freundes, "Leaving on a Jetplane" in Erinnerung an meine DRK-Gemeinschaft in Dortmund, bei der ich ehrenamtlich mitgearbeitet habe und in Erinnerung an das Abheben des Flugzeuges in den Urlaub, "Einen Stern, der deinen Namen trägt" als Erinnerung an ein Festival im Westfalenpark mit einem Kollegen aus England, "Wonderful tonight" an einen Karaoke-Abend in Dortmund mit Freunden, usw.
Diese Liste könnte ich endlos fortführen. Ihr seht, "meine" Musik ist nicht nur auf deutsche Musik von Pur beschränkt, sondern beinhaltet alles quer Beet. Es kommt wirklich auf meine Stimmung an. Meistens höre ich die Lokalradios, aber je nach Laune ziehe ich eine Cd heraus und höre sie, denke an alte Zeiten oder freue mich auf etwas, was noch vor mir liegt. Das ist das Pur-Konzert am kommenden Sonntag auf Schalke. Ich freu mich riesig darauf und bin gespannt, welche Lieder Pur dort präsentieren wird. Ich werde nachher berichten.
Und nun möchte ich von Euch erfahren, was Musik für Euch bedeutet und was Ihr bevorzugt - gute Texte oder eine ansprechende Melodie oder ene Kombination daraus. Hört Ihr Musik als Hintergrundberieselung oder bewusst und intensiv? Auf Eure Meinungen und Kommentare freue ich mich.
Samstag, 31. Juli 2010
Heute wurde der Trauergottesdienst aus der Salvatorkirche in Duisburg im Fernsehen übertragen.
Was auf der Love Parade in Duisburg am 24. Juli passiert ist, finde ich unfassbar. Berührende Bilder konnte man täglich im Fernsehen sehen und auch immer wieder Berichte im Radio hören. Besonders mitfühlend war ich bei einer Geschichte, in der ein Mädchen im Radio erzählte, dass sie im Tunnel am Boden lag und ein anderes Mädchen ihr hoch helfen wollte, ihr die Hand gestreckt hat und ihr Luft zugepustet hat, damit sie Luft bekommt und weiter atmen kann. Dieses Mädchen, die geholfen hat, ist wenige Tage später selbst gestorben. Das ist doch ungerecht, dass dieses hilfsbereite Mädchen mit dem Leben bezahlen musste.
Bewegend fand ich die Rede von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Man konnte an ihrer Stimme hören, dass ihr das sehr nah geht und dass sie mit den Tränen kämpfen musste. Besonders angesprochen haben mich die Worte, als sie sagte, dass ein Vater, der seine Tochter verloren hat, ihr mitgegeben hat, dass der Tod seiner Tochter vielleicht für uns alle etwas bedeuten könne. Das Wohl des Menschen müsse wieder an die erste Stelle treten.
Man kann jetzt natürlich darüber diskutieren, ob es sinnvoll ist, dass die Politiker dort vertreten waren. Vielleicht musste es nicht die ganze Riege sein, aber Frau Kraft war dort auf jeden Fall berechtigt vertreten - nicht nur als Ministerpräsidentin von NRW, sondern auch als Betroffene. Denn auch ihr 17-jähriger Sohn war auf der Love Parade. Sie kann sich also sehr gut in die Trauernden hineinversetzen, weil sie sicherlich auch darüber nachgedacht hat, dass auch ihr Sohn nicht hätte zurück kommen können.
Alle, die noch Schlimmeres verhindert haben, haben meinen Respekt. Ich denke, dass dieser Vater Recht hat, dass Menschlichkeit, Herzlichkeit und eine gegenseitige Hilfsbereitschaft wieder stärker in den Vordergrund rücken sollte.
Montag, 22. März 2010
Heute habe ich fast den ganzen Tag gelernt und dachte mir deshalb, dass wir uns schnell in der Steinbücheler Pizzeria etwas zu essen holen mittags gegen 13:30 Uhr. So voll habe ich die Pizzeria noch nie gesehen. Schüler, die gerade aus der Schule kamen, aßen dort zu Mittag. Ich war ehrlich gesagt überrascht und erschreckt. Ist das die Vorspeise oder tatsächlich der Mahlzeit-Ersatz, weil sie zu Hause nichts bekommen?
Wenn wir früher aus der Schule kamen, war das Essen fertig. Ich habe darüber kurz mit dem Inhaber der Pizzeria gesprochen, dass ich es erschreckend finde. Ich habe ihm gesagt, dass ich früher frisch gekochtes Essen bekommen habe, als ich nach Hause kam. Und er sagte: "Ja, und heute bringen die Kinder ihren Eltern dann das Essen noch mit". Ist das nicht eine traurige Entwicklung? Ist es wirklich 'cool', wenn die Kids nach der Schule Pizza, Döner, Hamburger, Pommes, usw. essen? Dann muss man sich doch ernsthaft nicht wundern, dass die Fettleibigkeit der Kinder immer mehr zunimmt, oder?
Und mir kann auch niemand erzählen, dass der Stress zugenommen hat und die Eltern deswegen keine Zeit mehr haben zum Kochen. Unsere Eltern haben das auch geschafft früher - sogar alleinerziehende Mütter haben es hinbekommen. Alles eine Frage der Organisation. Meine Mutter hat dann sonntags etwas mehr gekocht - dann reichte es auch für montags mit. Und geschmeckt hat´s (fast) immer. Als Kind beschwert man sich ja öfter mal - aber wenn man dann heute zurückdenkt, dann hatte man es doch ziemlich gut.
Ich glaube einfach, dass sich die Bequemlichkeit erhöht hat. Die Preisentwicklung des Döners z. B. geht steil bergab, wenn ich das richtig beobachtet habe. Teilweise bekommt man den Döner mit Getränk für 3 € - Schüler zahlen sogar nur 2,50 € oder 2 €. Und dann ist es doch für die Eltern einfacher, dem Kind 3 € in die Hand zu drücken statt sich selbst an den Herd zu stellen. Und dann gibt man dem Kind 6 € und lässt sich selbst auch noch einen Döner mitbringen. Kann es einfacher sein?
Aber wo soll diese Entwicklung hingehen - und was machen diese Kinder dann später mit ihren Kindern, wenn sie es selbst nicht anders gelernt haben?
Und wo ich mich schon mal zur Ernährung der Schulkinder äußere: gibt es eigentlich das gute alte Pausenbrot noch? Ich glaube, wenn die Kinder heute die Brotdose auspacken in der Schule, werden sie ausgelacht. Ich weiß es natürlich nicht 100-prozentig, aber ich kann es mir gut vorstellen. Dabei war es "früher" zu meiner Schulzeit (vor 20 Jahre her, als ich in die Realschule kam) , so, dass wir maximal Kakao oder Vanillemilch kaufen konnte - aber nicht das volle Programm an belegten Brötchen, usw. Und wenn etwas Besonderes war, haben wir mal 50 Pfennig bekommen, um uns etwas Süßes am Kiosk zu kaufen. Kennt Ihr noch die Colakracher oder saure Schlangen oder Brause-Ufos? Heute ist das Angebot am Schulkiosk wahrscheinlich breiter gefächert, weil die Nachfrage gestiegen ist.
Ich finde es erschreckend, traurig und mir fehlen dafür auch ein bisschen die Worte.
Vielleicht gibt es ja Leser, die das aus eigener Erfahrung widerlegen oder vielleicht auch bestätigen können? Ich freu mich auf Eure Kommentare.
Sonntag, 15. November 2009
Fragen wir uns das nicht alle im Laufe unseres Lebens öfter mal? Wer ist Gott und wo ist er? Vor allem die Frage "Wo ist Gott?" stellen wir uns, wenn wieder einmal etwas schief läuft oder etwas Schlimmes passiert. Und stellen wir uns diese Frage nicht zu Recht?
Trotzdem finden bei schlimmen und traurigen Ereignissen viele Leute in die Kirche und vielleicht auch zu Gott. So z. B. konnte man in den letzten Tagen viele Trauernde mit einer Kerze in der Hand sehen - mit vielen anderen Trauernden gemeinsam. Und wo haben sie sich versammelt? In der Kirche - zum Gottesdienst. Wenn den Menschen nichts mehr anderes einfällt oder sie nicht wissen, wohin mit ihrer Trauer, dann finden sie den Weg zur Kirche. Und das ist keinesfalls einen Vorwurf wert, warum man sie die ganzen Jahre nicht in der Kirche gesehen hat, sondern im Gegenteil: es ist doch gut zu wissen, dass wir immer zu Gott kommen dürfen und dass er uns niemals loslässt. Ein schönes Sprichwort sagt auch "Man kann nie tiefer fallen als in Gottes Hand". Das ist beruhigend zu wissen.
Für die Traueranzeige von Robert Enke hat die Witwe folgende Worte ausgewählt: Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass alles gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass alles einen Sinn ergibt, egal wie es ausgeht. (Zitat von Václav Havel). Für ihn sind scheinbar trotz Reichtum, Erfolg, Karriere, Zuspruch von Millionen Fans und Geld scheinbar die Fragen des Lebens nicht beantwortet worden. Was sind dann die Fragen des Lebens? Gibt es noch mehr als Reichtum, Geld und Anerkennung? War es überhaupt richtige Anerkennung, die er von den Fans erlebt hat? Ich kann mir vorstellen, dass man als Fußballstar auch viel Wut der Fans abbekommt, z. B. wenn man den Gegner nicht abhalten konnte oder der Ball im eigenen Tor landet. Mal der Star und dann wieder der Buh-Mann. Das ist sicher nicht leicht. Was in ihm vorging, kann niemand nachvollziehen. Man kann nur versuchen zu verstehen und beten.
Auch in unseren Charts und bei unseren Sängern spielt die Frage nach Gott eine Rolle. Das Lied "One of us" von Joan Osbourne, das im Radio auch heute noch gespielt wird, handelt von Gott und vermutlich weiß es kaum jemand. Hier ist der Text des Liedes. Und hier ist die Übersetzung. Ich jedenfalls habe bis zum Gottesdienst in St. Franziskus Leverkusen nicht besonders darüber nachgedacht. Ich habe das Lied immer so im Hintergrund gehört, ohne den Text wirklich mal zu übersetzen. Dabei ist da soviel Wahres dran. Was wäre denn, wenn Gott wirklich ein Fremder wäre, der mit uns im Bus nach Hause fährt? Wie würden wir ihn behandeln? Würden wir ihn erkennen?
Dieser Gottesdienst am Sonntag in der Gemeinde St. Franziskus war speziell für die Jugendlichen, die sich auf die Firmung vorbereiten. Sie haben den ganzen Sonntag noch mit verschiedenen Gedanken rund um die Frage "Wer ist Gott" verbracht und sicher auch einige Antworten oder Lösungsansätze gefunden. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass sicher auch viele Erwachsene zum Nachdenken angeregt wurden. Denn die Frage "Wer ist Gott" stellt sich ja nicht nur Jugendlichen, sondern sicherlich jedem von uns irgendwann in irgendeinem Zusammenhang.
Freitag, 21. August 2009
... ja, ich bin obdachlos. Ich habe mir heute eine Wohnung angesehen. Nein, ich bin nicht drogenabhängig oder alkoholkrank. Das möchte ich auch nicht werden. "schluchz". Ich muss jetzt wieder von Düsseldorf-Hauptbahnhof nach Remscheid in meine Notunterkunft. Dafür fehlen mir 1,70 Euro. Kann da bitte jemand aushelfen?".
Wer öfter mal mit dem RE1 von Essen Richtung Aachen fährt (egal zu welcher Uhrzeit), wird diesen Satz sicher schon gehört haben. Ich kenn den Satz jedenfalls schon auswendig. Man muss dazu sagen, dass er sich schon weiterentwickelt hat und den Satz immer flüssiger spricht. Was er auch gut kann, ist ignorieren. Zum ersten Mal ist mir der Herr schon vor 3 Monaten begegnet im Zug - mit dem etwas verkürzten Satz, dass ihm Geld für sein Ticket fehlt. Schon da klang es für mich nicht besonders glaubwürdig, weil er da noch sagte, dass er nach Recklinghausen muss. Äh - falsche Richtung?
Aber jetzt merken immer mehr Leute, dass er das wöchentlich, wenn nicht sogar täglich macht. Heute haben die Leute gar nix gegeben, nachdem eine Mitfahrerin sagte, dass sie diesen Satz jetzt schon öfter gehört hat. Daraufhin starrt er einfach weiter nach vorne und fragt sogar nach ein paar Minuten nochmal nach "Kann denn da wirklich niemand aushelfen?".
Ich mein - einmal könnte man das ja noch glauben, vielleicht zweimal auch - aber bei 10mal wird´s echt schon nervig. Ich hab schon überlegt, ihm mal 3,40 Euro zu geben und zu sagen: "Das reicht jetzt auch für morgen mit". Ne, Spaß beiseite... Eigentlich kann er einem ja leid tun, dass er so etwas überhaupt macht. Vielleicht wird er sogar gezwungen, irgendwem das Geld abzugeben.... Ich gebe meistens auch gerne - aber in diesem Fall ist es ja schon offensichtlich, dass es nicht der Wahrheit entspricht. Traurig, aber wahr....
Samstag, 21. März 2009
Ich habe das Buch "Ich bin dann mal weg" gelesen und kann es echt nur empfehlen.
Der Text von der Buchrückseite:
"Der wichtigste Weg meines Lebens"
Hape Kerkeling, Deutschlands vielseitigster TV-Entertainer, lief zum Grab des heiligen Jakob - fast 800 Kilometer durch Spanien bis Santiago de Compostela - und erlebte die reinigende Kraft der Pilgerreise. Ein außergewöhnlihces Buch voller Witz, Weisheit und Wärme, ein ehrlicher Bericht über die Scuhe nach Gott und sich selbst und den unschätzbaren Wert des Wanderns. "Dieser Weg ist hart und wundervoll. Er ist eine Herausforderung und eine Einladung. Er macht dich kaputt und leer. Und er baut dich wieder auf. Er nimmt dir alle Kraft und gibt sie dir dreifach zurück."
Der Text vom Buchumschlag:
"Was, umHimmels willen, hat mich eigentlich dazu getrieben, mich auf die Wanderung zu begeben? Ich könnte jetzt zu Hause auf meinem Lieblingssofa liegen. Stattdessen beginnt hier und heute meine persönliche Pilgerreise auf dem Jakobsweg...." Es est ein nebelverhangener Junimorgen, als Hape Kerkeling, bekennende Couch potato, endgültig seinen inneren Schweinehund besiegt und voller Respekt und Unternehmungslust in Saint-Jean-Pied-de-Port aufbricht. Sechs Wochen Fußmarsch auf dem legendären Camino Francés liegen vor ihm, allein mit sich und seinem elf Kilo schweren knallroten Rucksack: über die schneebedeckten Gipfel der Pyrenäen, quer durch das Baskenland, Navarra und die Rioja, Kastilien-Léon bis nach Galicien zum Grab des Apostels Jakob, seit über 1000 Jahren Ziel für Gläubige aus der ganzen Welt. MIt Humor und Blick für das Besondere erschließt Kerkeling sich die fremden Regionen, lernt er die Einheimischen ebenso wie moderne Pilger und ihre Rituale und Eigenarten kennen. Er schildert den Reiz jeder einzelnen Etappe, erlebt Einsamkeit und Stille, Erschöpfung und Zweifel, aber auch Hilfsbereitschaft, Freundschaften und Momente, die für alle Entbehrungen entlohnen - und eine ganz eigene, überraschende Nähe zu Gott.
Meine eigene Erkenntnis über das Buch:
Ich habe dieses Buch gelesen, weil ich mitbekommen habe, dass mein (ehemaliger) Chef es vielen seiner Mitarbeiter geschenkt hat, die das Unternehmen verlassen haben. Vom Titel her passte es, aber was hatte es mit dem Buch auf sich? Ich wollte es selbst wissen, habe mich im Internet informiert und mir gekauft, weil mich die Beschreibung angesprochen hat. Es ist wirklich lesenswert, denn es wird auf sehr ehrlich und persönliche Weise beschrieben, was der Jakobsweg aus einem Menschen macht. Hape Kerkeling beschreibt die Schwierigkeiten, die die Begegnungen mit anderen Menschen hervorrufen, aber auch vor allem die Schwierigkeiten, die durch die fehlende Begegnung mit Menschen hervorgerufen werden. Er schreibt über die Strapazen auf den steilen Anstiegen, von zu meisternden Problemen, von Begegnungen, die zu Freundschaften werden, aber auch über Begegnungen, die keine Freundschaft wert sind. Vor allem aber die Begegnung mit Gott und sich selbst ist ein wesentlicher Bestandteil der Beschreibung. Was mich das ganze Buch über interessiert hat, war, wie die Ankunft, das Ziel und auch der Abschied vom Jakobsweg ablaufen wird. Das hat mich dazu getrieben, das Buch so schnell wie möglich und in jeder freien Minute zu lesen. Die Antwort auf meine Frage habe ich bekommen, werde sie hier aber nicht verraten. Denn ich empfehle allen, das Buch zu lesen. Eine witzige und zugleich ernste sowie interessante Darstellung, Gott ganz nah zu sein. Lest selbst....
Donnerstag, 19. März 2009
Das Gleichnis vom barmherzigen Vater Lk 15,11-32 11 Weiter sagte Jesus: Ein Mann hatte zwei Söhne. 12 Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf. (Das Erbteil schon zu Lebzeiten des Vaters zu fordern, war erlaubt, galt aber als unschicklich.) 13 Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen. 14 Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über das Land, und es ging ihm sehr schlecht. 15 Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten. 16 Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon. 17 Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen, und ich komme hier vor Hunger um. 18 Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. 19 Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner. 20 Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. 21 Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. 22 Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand, und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand, und zieht ihm Schuhe an. 23 Bringt das Mastkalb her, und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. 24 Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern. 25 Sein älterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz. 26 Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle. 27 Der Knecht antwortete: dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat. 28 Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu. 29 Doch er erwiderte dem Vater: So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. 30 Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet. 31 Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. 32 Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden. Quelle In welcher Rolle würden wir uns hier finden? Wie finden wir das Verhalten des Vaters? Was löst es in uns aus? Fühlen wir Ungerechtigkeit über das Verhalten des Vaters? Für wen würden wir uns einsetzen? Wen können wir verstehen?
Als ich mich mit diesem Gleichnis beschäftigt habe, war mein erster Gedanke: Wie ungerecht von dem Vater... und ich hätte mich sofort auf die Seite des älteren Sohnes gestellt. Ich kann mir vorstellen, dass viele auch so reagieren würden und dem älteren Sohn Recht geben?
Was ist aber, wenn wir uns in der Situation des jüngeren Sohnes finden? Das kann ja auch mal vorkommen, dass wir merken, einen falschen Weg eingeschlagen zu haben. Und dann ist es doch gut zu wissen, dass wir zurück gehen können und mit offenen Armen empfangen werden. An Stelle des Sohnes ist es bestimmt ein gutes Gefühl, so freudig empfangen zu werden.
Sicherlich können Eltern auch den Vater verstehen: Sohn bleibt Sohn, Tochter bleibt Tochter und die Tür zum Elternhaus steht jederzeit offen. Eltern können das Tor nicht verschließen, das bringen sie nicht über ihr Herz.
Dieses Gleichnis ist heute genauso aktuell wie früher. Wer kennt nicht die Situation, dass man die subjektive Wahrnehmung hat, die Geschwister werden bevorzugt? Oder welches Gefühl kommt auf, wenn man sich in die Lage des Vaters versetzt? Wenn man es von außen betrachtet (ohne in der Elternrolle zu stecken), könnte eine Aussage sein "Ich würde das nicht mit mir machen lassen" oder "Er hat es so gewollt, jetzt muss er auch sehen, wie er klar kommt". Jedem fällt sicher ziemlich schnell eine Situation ein, die man mit dieser vergleichen kann.
Um es jetzt mal wirklich als Gleichnis zu sehen: Wir wissen auch immer, dass wir trotz unserer Fehler und Sünden mit offenen Armen empfangen werden und nicht verstoßen werden. Uns wird verziehen und wir dürfen jederzeit umkehren, auch wenn wir Gott eine Zeitlang den Rücken gekehrt haben. Wichtig dabei ist die Einsicht und der eigene erste Schritt.
Interessant ist diese Darstellung der unterschiedlichen Sichtweisen. Es wird aus jeder Perspektive geschrieben, welche Gründe es für das Verhalten gibt.
Es gibt dazu auch ein Spiel, das Kindern und Jugendlichen dieses Gleichnis spielerisch näher bringen soll. Hier ist es zu finden. Und hier habe ich ein paar Fragen gefunden, die zeigen, ob man das Gleichnis verstanden hat.
Donnerstag, 5. März 2009
Das Gleichnis von Jesus und dem Blinden hat mich in den letzten Tagen öfter beschäftigt: “Als Jesus Jericho gefolgt von seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge verließ, saß da am Straßenrand ein Blinder und bettelte. Als der Blinde hörte, dass es Jesus von Nazareth war, der da vorbeikam, fing er an, laut zu rufen: „Jesus, Sohn Davids! Hab Erbarmen mit mir!“ Viele fuhren ihn an, er solle still sein; aber er schrie nur noch lauter: „Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“ Da blieb Jesus stehen und sagte: „Ruft ihn her!“ Einige liefen zu dem Blinden hin und sagten zu ihm: „Fasse Mut, steh auf! Jesus ruft dich!“ Da warf der Blinde seinen Mantel ab, sprang auf und kam zu Jesus. „Was willst du?“ fragte Jesus. „Was soll ich für dich tun?“ Der Blinde sagte: „Mein Herr und Meister, ich möchte wieder sehen können!“ Jesus antwortete: „Geh nur, dein Vertrauen hat dir geholfen!“ Im gleichen Augenblick konnte er sehen und folgte Jesus auf seinem Weg.“ Jesus handelt nicht einfach, sondern er fragt uns: Was soll ich für dich tun? Wir dürfen mit unseren Bitten zu ihm kommen und wenn wir glauben, werden sie erhört. Denn wir helfen uns selbst, indem wir glauben. Die Frage "Was soll ich für dich tun" sollte uns immer wieder begleiten und wir sollten eine Antwort darauf suchen, immer wieder von Neuem. Nur wenn wir unsere Bitten und Wünsche konkret formulieren, können sie erfüllt werden. Unter diesem Link sind noch einige Anregungen zum Nachdenken aufgeschrieben.
Sonntag, 8. Februar 2009
Heute fand ein Gottesdienst mit den Firmlingen statt, die in einem Monat das Sakrament des heiligen Geistes in St. Matthias Leverkusen bekommen. Die Eröffnungsfrage war: Warum gehen wir eigentlich in den Gottesdienst? Um über Dinge nachzudenken, für die im Alltag keine Zeit bleibt; um in einer Gemeinschaft zu sein und auch um Jesus zu begegnen. Thema war also heute "Was ist eigentlich der heilige Geist"? Die Geschichte, die dazu bekannt ist, sind die Feuerzungen, die sich auf allen Köpfen der Jünger verteilt haben. Es wurden Fragen gestellt wie "Warum verteilten sich Feuerzungen auf allen Köpfen"? Das ist natürlich nur ein Bild, um das Ganze verständlicher zu machen. In einer kleinen Unterhaltung wurde dann die Frage gestellt: ich kann den Heiligen Geist doch gar nicht sehen, wofür soll er denn dann gut sein? Wir bekommen Stärke und "können Feuer und Flamme sein für die Sache Jesu". Aber sind wir das wirklich? Feuer und Flamme für die Sache Jesu? Das wird oft genug in Frage gestellt. Wir kennen Sprichwörter wie "ich bin Feuer und Flamme", d. h. ich setze mich für die Sache ein oder "der Funke springt über" - d. h. ich kann auch andere begeistern und sie verstehen mich. Die Frage, die mich besonders bewegt hat: Warum zweifeln wir nicht an Dingen wie z. B. Liebe, Hoffnung oder auch Angst? Die sind da, jeder kennt die Situationen und niemand stellt in Frage, dass es sie nicht gibt. Da haben wir keine Zweifel, dass es sie nicht gibt, aber wenn es um Gott geht, dann können sich viele Leute nicht vorstellen, dass es ihn gibt. Aber warum? Nur, weil wir ihn nicht sehen können? Und was ist der Unterschied zu den genannten Dingen Liebe, Hoffnung, Angst? Gibt es einen Unterschied? Was lässt immer mehr Menschen daran zweifeln? Ich freue mich, zu sehen, dass sich Firmlinge in der heutigen Zeit immer noch für die Firmung, also den Empfang des Heiligen Geistes entscheiden. Die Kirche war heute wieder sehr voll und das ist aus meiner Sicht nicht alltäglich und nicht in allen Kirchen üblich. In St. Franziskus ist die Kirche immer sehr gut gefüllt und jeder Gottesdienst ist etwas Besonderes. Am Schluss des Gottesdienstes wurde der Blasiussegen ausgeteilt, der speziell dazu ist, um vor Halskrankheiten zu schützen. Jedoch wurde der Segen bei uns verallgemeinert und der Satz lautete "Auf die Fürsprache des heiligen Blasius bewahre dich der Herr vor Kranheiten und allem Unheil. Es segne dich Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist." Früher als Kind wurde mir erzählt, dass der heilige Blasius jemanden gerettet hatte, der an einer Fischgräte zu ersticken drohte. Und diese Erzählungen gibt es, wie bei Wikipedia zu lesen ist, auch heute noch. Mehr zum Blasiussegen ist hier nachzulesen.
Donnerstag, 5. Februar 2009
Drei Geschichten zum Nachdenken
Der Faden
Eines schönen Morgens glitt vom hohen Baum am festen Faden die Spinne herab. Unten im Gebüsch baute sie ihr Netz, das sie im Laufe des Tages immer großartiger entwickelte und mit dem sie reiche Beute fing. Als es Abend geworden war, lief sie ihr Netz noch einmal ab und fand es herrlich. Da entdeckte sie auch wieder den Faden nach oben, den sie über ihrer betriebsamen Geschäftigkeit ganz vergessen hatte. Doch verstand sie nicht mehr wozu er diene, hielt ihn für überflüssig und biss ihn kurzerhand ab. Sofort fiel das Netz über ihr zusammen, wickelte sich um sie wie ein nasser Lappen und erstickte sie.
Der Seiltänzer
In einer Stadt führte ein Seiltänzer in schwindelnder Höhe seine Künststücke vor. Zum Schluss die Hauptattraktion: er schiebt eine Schubkarre über das schwankende Seil. Als er sicher auf der anderen Seite angekommen ist, fragt er die Zuschauer, ob sie es ihm zutrauen, die Karre auch wieder zurückzuschieben. Die Menge klatscht begeistert Beifall. Dann fragte er einen einzelnen, der unten am Mast steht: "Trauen Sie mir auch zu, dass ich die Karre wieder zurückschiebe?" "Aber sicher" ruft der zurück und klatscht. "Dann," sagt der Seiltänzer, "dann kommen Sie herauf und steigen Sie ein, dann schiebe ich Sie herüber". Nein, so hatte er es nicht gemein. Er wollte doch Zuschauer bleiben.
Das Wasser
Die Fische eines Flusses sprachen zueinander: Es gibt Leute, die sagen, unser Leben hänge vom Wasser ab. Aber was ist Wasser? Wir haben niemals Wasser gesehen. Da sprachen einige, die klüger waren als die Anderen: Wir haben gehört, im Meer draußen lebe ein gelehrter Fisch, der alle Dinge weiß. Wir wollen zu ihm gehen und ihn bitten, uns das Wasser zu zeigen. Da machten sich einige auf und suchten das Meer. Sie fanden endlich auch den Fisch und erzählten ihm, dass sie das Wasser suchten. Der alte Fisch hörte sie an und sagte: "Wie soll ich Euch das Wasser zeigen? Ihr bewegt Euch darin. Aus dem Wasser kommt ihr, im Wasser endet Euer leben. Ihr lebt im Wasser und wisst es nicht. Alles, was Euch umgibt, ist Wasser." Wenn wir auf der Suche sind nach Gott, so hören wir: Alles ist Gott. Alles Leid ist Gott und alles Glück. Alles Schicksal ist Gott und alle Mühe, es zu bestehen, ist auch Gott. Nichts ist, das nicht in Gott wäre. Was auch könnte bestehen außer in Gott?
Donnerstag, 29. Januar 2009
Ich habe dieses Buch in einer Woche durchgelesen. Es ist als eine Art Tagebuch geschrieben, in der eine angehende Krankenschwester ihre Erlebnisse und Erfahrungen in einem Krankenhaus als Patientin aufschreibt. Es ist kein normaler Krankenhausaufenthalt, sondern es ist ein Aufenthalt, der ihr Leben verändert. Nicht, weil ihr selbst etwas passiert, sondern weil ihr jemand begegnet, der ihr Leben in besonderer Weise prägt. Sie liegt auf dem Zimmer mit einem sterbenskranken Mädchen. Sie beschreibt die Situation aus ihrer Sicht, wie sie damit umgeht, was ihr dabei durch den Kopf geht und auch nicht zuletzt wie sie sich von Ärzten und Schwester in dem Krankenhaus behandelt fühlt. So manches Mal hilft ihr das bereits in ihrer Ausbildung erlernte Fachwissen, manchmal kann man aber auch nicht sicher sein, ob es wirklich hilfreich ist, mehr zu wissen als ein "normaler" Patient. Die Erlebnisse sind bewegend und regen selbst zum Nachdenken an, ob man immer die richtigen Prioritäten im Leben setzt. Ich kann es empfehlen. Es ist ein dünnes Buch, das man schnell gelesen hat. Es bewirkt eine Menge und wirkt auch noch lange nach, wenn man sich den Fragen, die dadurch auftauchen, ab und zu mal hingibt und den Gedanken freien Lauf lässt.
Dienstag, 30. Dezember 2008
Ich hatte ja meinen persönlichen Jahresrückblick schon geschrieben. Heute hatte ich dann in meinem Kalender "Der Andere Advent" von Andere Zeiten ein paar Fragen für den Jahresrückblick. Wer also das Jahr 2008 noch mal Revue passieren lassen möchte, hier sind die Fragen: - An welchen Traum erinnere ich mich? - Wer oder was hat mich wirklich überrascht? - Welche Person habe ich enttäuscht? - Welcher Streit ist gut ausgegangen? - Was habe ich verloren oder gefunden? - Welchen Wunsch habe ich mir erfüllt? - Welchem Vorsatz bin ich treu geblieben? - Welche neuen Freunde habe ich gewonnen? - Was war mein glücklichster Tag? - Was war mein traurigster Moment? - Was war mein größter Erfolg? - Was war meine bitterste Niederlage? - Worauf bin ich stolz? - Worin bin ich stärker geworden? - Welcher Abschied fiel mir schwer? - Was hat sich zum Guten gewendet? Ich werde die Antworten dafür in eine stillen Minute niederschreiben und mir die Fragen auch für nächstes Jahr aufbewahren. Es sind sehr schöne Fragen, die die schönsten und traurigsten Augenblicke nochmal zurück holen. Das gibt Mut und Kraft für das neue Jahr. Viel Freude beim Rückblick. Aber nicht die Vergangenheit, sondern die Zukunft ist das, wo wir genauer hinschauen sollten. Aus der Vergangenheit können wir lernen - die Zukunft können wir beeinflussen.
Montag, 22. Dezember 2008
Eine schöne Weihnachtsgeschichte Wenn’s damals schon Fax gegeben hätte, so sage ich Euch, jede Wette, hätt’ Josef schon vorher ein Zimmer gebucht, anstatt auf gut Glück und umsonst gesucht. Und Maria läge nun ganz bequem im Grand Hotel von Betlehem.
Und schließlich, als die Wehen begonnen, hätt’ Josef dann sein Handy genommen, schon eilt der Gynäkologe herbei und das Kindlein tut seinen ersten Schrei, in einem Zimmer, sauber und schön im Luxushotel von Betlehem.
Worauf der Josef gleich eMails versandte an Freunde, Familie und andre Bekannte, die gleich erfahren zur selben Stund’, das Kind ist ein Knabe, er und die Mutter gesund.
Doch leider gab es das damals noch nicht, so erblickte der Knab’ im Stall nur das Licht von Josef’s Laterne und das der Welt und auch zum Verkünden die E-Mail fehlt.
Drum taten’s die Engel den Hirten sagen, so war das damals, in jenen Tagen, Computer, Handy und Fax gab es nicht, doch dafür ein Engel, der mit Hirten spricht.
Und wir leben nun mit den technischen Dingen, die täglich im Leben Erleichterung bringen, doch kann sich die Technik auch fürchterlich rächen, wenn wir dadurch verlernen, miteinander zu sprechen. Ich wünsche allen Lesern frohe und gesegnete Weihnachten mit vielen netten Gesprächen, gut gemeinten Wünschen und schönen Momenten.
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