Heute hatte ich die Gelegenheit, an einem Angebot der KFD St. Andreas Schlebusch teilzunehmen. KFD steht als Abkürzung für die Katholischen Frauen Deutschlands.
Im Angebot standen verschiedene Workshops, wie z. B. Farbberatung, zur Ruhe kommen, Einführung Yoga, Bibelgespräche, usw.
Ich hatte mich für den Workshop "Ich möchte zur Ruhe kommen" angemeldet, um Tipps und Informationen zu Entspannungstechniken zu bekommen. Nicht, dass ich mich jetzt sonderlich gestresst fühle, aber Entspannung ist in aller Munde aufgrund der immer schnelllebigeren Welt. Work-Life-Balance oder auf gut deutsch der Ausgleich zwischen Privatleben und Beruf sind Stichworte, von denen jeder spricht. Die Einen powern sich aus, um abzuschalten und die Anderen kommen zur Ruhe, meditieren, beten, usw.
Wir haben Tipps bekommen, wie man ganz leicht im Alltag zur Ruhe kommen kann, auch, wenn es rund um uns herum laut ist. Ein ganz interessanter Tipp ist, sich irgendeinen Ort in der Wohnung so einzurichten, wie es einem selbst gefällt. Das muss jetzt nicht ein ganzer Raum sein - es reicht ein kleiner Tisch, oder sogar ein kleines Stück an der Wand. Ein schönes Tuch, ein schönes Bild, eine Blume, eine Kerze oder etwas Anderes, was einem gefällt, kann dort stehen oder hängen. An diesen Ort kann man sich jeden Tag ein paar Minuten zurück ziehen. Es ist medizinisch erwiesen, dass man nach ein paar Tagen schon deutlich ruhiger wird, wenn man an diesen Platz kommt oder nur das Bild anschaut. Reduktion des Blutdrucks, weniger Rücken- oder Verspannungskopfschmerzen und viele weitere körperliche Verbesserungen sind spürbar. Wichtig dabei ist, dass dieser ganz persönliche Rückzugsort immer an der gleichen Stelle ist und nicht an verschiedenen Orten in der Wohnung.
Die Methode "Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen" wurde uns vorgestellt. Eine sehr wertvolle Erfahrung. Die Methode ist ganz einfach: Verschiedene Muskelgruppen werden nacheinander angespannt und dann bewusst gelöst. Begonnen beim Kopf über die Arme, die Schultern, den Rücken, den Bauch und die Beine wird jede Muskelgruppe 10 Sekunden angespannt, bevor die bewusste Lösung der Muskeln erfolgt. Und die Lösung erfolgt viel stärker, wenn vorher die Muskeln angespannt wurden. Das hätte ich auch nicht gedacht, aber ich fühlte mich danach wirklich sehr leicht und entspannt. Was mir jedoch sofort einfiel, ist, dass ich ohne Ansage vermutlich alleine nicht so gut entspannen könnte. Die Leiterin des Workshops hat immer schön angesagt, wann wir anspannen und wann wir entspannen. Aber so alleine macht man das ja dann doch nicht, wenn man selbst die Ansage machen muss. Dafür gibt es jede Menge Cds, die man kaufen kann. Weiterhin ist hier auch eine ganz schnelle Entspannung möglich, indem man z. B. alle Muskeln gleichzeitig für 10 Sekunden anspannt und dann wieder entspannt. Sowas geht dann nämlich auch im Auto an der roten Ampel, an der Bushaltestelle oder an vielen anderen Orten - wo auch immer einem gerade nach Entspannung zumute ist. Das fällt kaum auf und hilft ganz schnell.
Nach einer kurzen Pause kamen wir dann noch in den Genuss einer Phantasiereise. Zunächst konzentriert man sich auf den eigenen Atem - langsam und ruhig im eigenen Rhythmus. Einatmen = Kraft, ausatmen = Ruhe. Nach einer kurzen Zeit werden wir mitgenommen auf eine Phantasiereise, nämlich z. B. auf einen Weg, einen Berg, einen Ort am Meer, oder irgendwo anders hin. Heute waren wir auf einem Weg - jeder auf seinem ganz persönlichen. Diese Wege sahen alle unterschiedlich aus, einer steinig bei Sturm und Regen, andere an Wiesen und Feldern entlang bei Sonnenschein. Jemand kam uns entgegen und wir gingen ein Stück gemeinsam und setzten uns auf eine Bank. Wir bekamen ein Geschenk - jeder das Geschenk, das er jetzt am Besten gebrauchen konnte. Nach diesem kurzen Gespräch und der Annahme des Geschenks trennten sich die Wege wieder und jeder kam zurück in den Raum, in dem wir saßen. Natürlich dauerte das etwas länger, als ich es jetzt hier beschrieben habe. Ca. eine halbe Stunde befanden wir uns insgesamt auf der Phantasiereise. Was ganz erstaunlich ist, dass manche, die normalerweise sehr geräuschempfindlich sind, keine Stimmen und andere Geräusche wahrgenommen haben. Das zeigt die Stufe der Entspannung.
Den letzten Tipp, den wir noch bekamen, ist, dass wir uns einen schönen Ort, an dem wir schon mal waren, immer wieder ins Gedächtnis rufen. Das kann ein Platz am Meer, in den schneebedeckten Bergen oder auch auf Wiesen und Feldern sein - irgendwo, wo wir uns sehr wohl gefühlt haben. Diesen Ort behalten wir dann in uns und rufen ihn uns in die Gegenwart, wenn wir uns gerade nicht so wohl fühlen oder wir gestresst sind. Mit dem Bild von dem traumhaften Ort kommt dann auch das Gefühl wieder, das wir an dem Ort hatten. So können wir es hinbekommen, etwas aus einem anderen Blickwinkel zu sehen oder gelassener an eine Sache heranzugehen.
Viele denken leider erst an Entspannung, wenn sie total verspannt und/ oder gestresst sind. Diese Übungen sind aber auch empfehlenswert zur Vorbeugung, um erst gar nicht soweit zu kommen, dass man unter Stress leidet. Ein paar Minuten am Tag oder alle paar Tage reichen schon.
Generell kann es auch in einer anstrengenden, schwierigen und aufregenden Situation helfen, sich kurz auf den eigenen Atem zu konzentrieren. Das merkt keiner und geht so schnell und einfach.
Ich bin auch eher der Typ, der sich gerne auspowert nach einem langen Arbeitstag, z. B. beim Sport im Fitnessstudio. Aber ab und zu tut auch die Ruhe ganz gut und für solche Phasen kommen für mich die beiden o. g. Möglichkeiten schon mal ganz gut in Frage. Für mich kam der Tag heute genau richtig - jetzt kann ich die restlichen 1,5 Wochen nutzen, um mich auf die Klausur vorzubereiten und gehe völlig locker daran.
Natürlich immer noch mit dem nötigen Ernst, ganz locker gehts dann doch nicht. Aber die Tipps helfen eine Menge.
Am Nachmittag habe ich dann an dem Workshop "Erbsen auf halb sechs" teilgenommen, in dem wir den Film "Erbsen auf halb sechs" angesehen haben. Hier könnt Ihr lesen, worum es in dem Film geht. Der Fim ist sehr zu empfehlen. Er ist nicht traurig, auch wenn erst etwas so anhört. Er regt zum Nachdenken an und lässt einen auch für das dankbar sein, was man hat. Schaut ihn Euch einfach mal an - er ist wunderschön und lässt einen auch manches mit anderen Augen sehen.
Ich lasse die ganzen Erfahrungen jetzt erstmal auf mich wirken. Demnächst werde ich dann mal berichten, wie es so läuft bei mir und ob ich mich noch mehr damit beschäftigt habe.
Ein rundum gelungener Tag - herzlichen Dank an alle, die den Tag organisiert haben.