Sonntag, 22. August 2010
In den letzten Wochen habe ich mir mal Gottesdienste der anderen Art angeschaut und mitgefeiert.
Auf die Idee bin ich schon vor einigen Jahren gekommen, als ich auf einer Hochzeit eingeladen war, die in einer Freien Evangelischen Gemeinde gefeiert wurde. Was mich fasziniert hat, war einerseits die moderne Gestaltung, aber auch die modernen Lieder. Es wurden viele Lieder von Layna gesungen, deren Text mit Hilfe eines Beamers auf einer Leinwand gezeigt wurde. Liederbücher wurden also nicht gebraucht.
Allerdings war ich zu der Zeit in einer sehr streng katholischen Umgebung und so ist der Wunsch, mir das mal genauer anzusehen, schnell wieder in Vergessenheit geraten. Vor Kurzem habe ich dann einen Freund wiedergetroffen, der mir erzählte, dass er aus der Kirche ausgetreten ist. Ich habe es ihm nicht zugetraut, weil auch er katholisch aufgewachsen ist. Das Geld spendet er für einen guten Zweck - Grund des Austritts war also nicht das Geld. Er hat mir dann erzählt, dass er öfter mal zu Gottesdiensten und Treffen in einer Freien Evangelischen Gemeinde geht. Da ging mir wieder das Licht auf und ich habe mich in Leverkusen umgesehen, um auch hier eine Freie Evangelische Gemeinde zu finden. Ich habe eine E-Mail dorthin geschickt und bekam relativ schnell eine Antwort mit der Beantwortung meiner Fragen. Also bin ich zu dem nächstmöglichen Gottesdienst gegangen, um es mir mal persönlich anzusehen. Sofort wurde ich angesprochen, freundlich aufgenommen, mir wurde viel erklärt, die Räumlichkeiten wurden mir gezeigt und ich habe erste Kontakte geknüpft. Allerdings war der Gottesdienst gar nicht so modern, wie ich es mir vorgestellt hatte. Die Lieder, die gesungen wurden, kannte ich nicht und der Gemeindesaal war ziemlich leer. Es war ein Gottesdienst mit Abendmahl (mit Brot und Wein), was ich so von der katholischen Kirche nicht kannte. Also habe ich nicht teilgenommen. Ich war die einzige, die am Abendmahl nicht teilgenommen hat. Überraschend. Von der Katholischen Kirche kenne ich es so, dass immer welche nicht zur Kommunion gehen. Hier war das nicht so. Das fand ich auffällig gut. Die Woche darauf habe ich wieder am Gottesdienst teilgenommen, es war Israel-Sonntag. Verschiedene Bilder zum Thema Israel - bekannte und weniger bekannte, erschreckende und erfreuliche, schöne und traurige, viele Gegensätze - dazu nachdenkliche Worte und zwischendurch immer wieder Musik. Teilweise wurden Lieder durch die Gemeinde gesungen und teilweise gab es Musik von Crazy Freilach. Wirklich faszinierend, wieviel Stimmung und zeitgleich Nachdenklichkeit man mit 3 Instrumenten hinbekommen kann. Durch ein wechselndes Tempo war es interessant und spannend, was als nächstes kommt. Schon alleine faszinierend, wie sie ihre Instrumente beherrschen und damit die Leute mitreißen. Einen Applaus, der nicht enden wollte, gab es zum Schluss. Zu Hause angekommen, habe ich mir sofort die Internetseite angesehen und mehr Lieder von ihnen angehört. Ich denke, dass auch das Sehen eine Rolle mitgespielt hat, denn zu Hause haben mich die Lieder nicht so angesprochen wie dort in der Gemeinde. Vielleicht werde ich mir mal ein Konzert von ihnen ansehen und anhören.
Aber zurück zur Gemeinde:
Vieles dort gefällt mir, hat mich angesprochen und auch nachdenklich gemacht. Viele Fragen sind aber noch offen, obwohl mir viele Fragen auch schon beantwortet wurden. Ich habe dort im Gemeindebrief nämlich einen Namen gelesen von jemanden, den ich kannte und habe ihn dann angesprochen. Wir haben uns nun schon viel unterhalten über seine Gründe, dort beizutreten und mitzuwirken. Über seine Überzeugung, die ihn zum Beitritt bewegt hat und über seine Zweifel, die er vorher hatte. Das scheint ein glücklicher Zufall gewesen zu sein, dass ich gerade an dem Tag dort war, an dem sein Name im Gemeindebrief stand und ich diesen dann auch gelesen habe. Kann Zufall gewesen sein, aber kann auch ein Zeichen Gottes sein.
Warum soll man nämlich immer in den gleichen Bahnen schwimmen, in denen man immer geschwommen ist? Warum nicht mal ausbrechen aus der Gewohnheit und etwas Neues ausprobieren? Das Wichtigste ist der Glauben - egal, wo er gelebt wird.
Natürlich bleibe ich weiterhin skeptisch und werde nicht beitreten, bevor alle meine Fragen beantwortet sind. Diese Beantwortung wird sich durch häufigere Teilnahme an Gottesdiensten, aber auch durch Gespräche mit anderen Gemeindemitgliedern ergeben. Der Altersdurchschnitt ist aus meiner Sicht in dieser Gemeinde viel niedriger als z. B. in der Katholischen Kirche, was daran liegen kann, dass der Gottesdienst in der Freien Gemeinde viel moderner ist. Und dass man dort aus freier Entscheidung Mitglied wird und nicht weil die Eltern es für das Kind entscheidet. Kinder werden dort nur gesegnet und können dann später selbst entscheiden, ob sie beitreten möchten. Das ist ein wesentlicher Unterschied.
Was mir sehr gefällt, ist, dass ich dort - obwohl ich jetzt schon ein paar mal da war - nicht gedrängt werde zu einem Beitritt. Der Bekannte sagte, dass er dort jahrelang hin ging ohne jemals gefragt worden zu sein, ob er beitreten möchte. Man tritt bei aus freier Entscheidung und nicht aus Zwang oder weil man überredet wird. Das ist vorbildlich.
Ich werde es mir weiterhin anschauen und dann über weitere Erfahrungen, Erlebnisse und Unterschiede berichten.
Samstag, 13. März 2010
Heute hatte ich die Gelegenheit, an einem Angebot der KFD St. Andreas Schlebusch teilzunehmen. KFD steht als Abkürzung für die Katholischen Frauen Deutschlands.
Im Angebot standen verschiedene Workshops, wie z. B. Farbberatung, zur Ruhe kommen, Einführung Yoga, Bibelgespräche, usw.
Ich hatte mich für den Workshop "Ich möchte zur Ruhe kommen" angemeldet, um Tipps und Informationen zu Entspannungstechniken zu bekommen. Nicht, dass ich mich jetzt sonderlich gestresst fühle, aber Entspannung ist in aller Munde aufgrund der immer schnelllebigeren Welt. Work-Life-Balance oder auf gut deutsch der Ausgleich zwischen Privatleben und Beruf sind Stichworte, von denen jeder spricht. Die Einen powern sich aus, um abzuschalten und die Anderen kommen zur Ruhe, meditieren, beten, usw.
Wir haben Tipps bekommen, wie man ganz leicht im Alltag zur Ruhe kommen kann, auch, wenn es rund um uns herum laut ist. Ein ganz interessanter Tipp ist, sich irgendeinen Ort in der Wohnung so einzurichten, wie es einem selbst gefällt. Das muss jetzt nicht ein ganzer Raum sein - es reicht ein kleiner Tisch, oder sogar ein kleines Stück an der Wand. Ein schönes Tuch, ein schönes Bild, eine Blume, eine Kerze oder etwas Anderes, was einem gefällt, kann dort stehen oder hängen. An diesen Ort kann man sich jeden Tag ein paar Minuten zurück ziehen. Es ist medizinisch erwiesen, dass man nach ein paar Tagen schon deutlich ruhiger wird, wenn man an diesen Platz kommt oder nur das Bild anschaut. Reduktion des Blutdrucks, weniger Rücken- oder Verspannungskopfschmerzen und viele weitere körperliche Verbesserungen sind spürbar. Wichtig dabei ist, dass dieser ganz persönliche Rückzugsort immer an der gleichen Stelle ist und nicht an verschiedenen Orten in der Wohnung.
Die Methode "Progressive Muskelentspannung nach Jacobsen" wurde uns vorgestellt. Eine sehr wertvolle Erfahrung. Die Methode ist ganz einfach: Verschiedene Muskelgruppen werden nacheinander angespannt und dann bewusst gelöst. Begonnen beim Kopf über die Arme, die Schultern, den Rücken, den Bauch und die Beine wird jede Muskelgruppe 10 Sekunden angespannt, bevor die bewusste Lösung der Muskeln erfolgt. Und die Lösung erfolgt viel stärker, wenn vorher die Muskeln angespannt wurden. Das hätte ich auch nicht gedacht, aber ich fühlte mich danach wirklich sehr leicht und entspannt. Was mir jedoch sofort einfiel, ist, dass ich ohne Ansage vermutlich alleine nicht so gut entspannen könnte. Die Leiterin des Workshops hat immer schön angesagt, wann wir anspannen und wann wir entspannen. Aber so alleine macht man das ja dann doch nicht, wenn man selbst die Ansage machen muss. Dafür gibt es jede Menge Cds, die man kaufen kann. Weiterhin ist hier auch eine ganz schnelle Entspannung möglich, indem man z. B. alle Muskeln gleichzeitig für 10 Sekunden anspannt und dann wieder entspannt. Sowas geht dann nämlich auch im Auto an der roten Ampel, an der Bushaltestelle oder an vielen anderen Orten - wo auch immer einem gerade nach Entspannung zumute ist. Das fällt kaum auf und hilft ganz schnell.
Nach einer kurzen Pause kamen wir dann noch in den Genuss einer Phantasiereise. Zunächst konzentriert man sich auf den eigenen Atem - langsam und ruhig im eigenen Rhythmus. Einatmen = Kraft, ausatmen = Ruhe. Nach einer kurzen Zeit werden wir mitgenommen auf eine Phantasiereise, nämlich z. B. auf einen Weg, einen Berg, einen Ort am Meer, oder irgendwo anders hin. Heute waren wir auf einem Weg - jeder auf seinem ganz persönlichen. Diese Wege sahen alle unterschiedlich aus, einer steinig bei Sturm und Regen, andere an Wiesen und Feldern entlang bei Sonnenschein. Jemand kam uns entgegen und wir gingen ein Stück gemeinsam und setzten uns auf eine Bank. Wir bekamen ein Geschenk - jeder das Geschenk, das er jetzt am Besten gebrauchen konnte. Nach diesem kurzen Gespräch und der Annahme des Geschenks trennten sich die Wege wieder und jeder kam zurück in den Raum, in dem wir saßen. Natürlich dauerte das etwas länger, als ich es jetzt hier beschrieben habe. Ca. eine halbe Stunde befanden wir uns insgesamt auf der Phantasiereise. Was ganz erstaunlich ist, dass manche, die normalerweise sehr geräuschempfindlich sind, keine Stimmen und andere Geräusche wahrgenommen haben. Das zeigt die Stufe der Entspannung.
Den letzten Tipp, den wir noch bekamen, ist, dass wir uns einen schönen Ort, an dem wir schon mal waren, immer wieder ins Gedächtnis rufen. Das kann ein Platz am Meer, in den schneebedeckten Bergen oder auch auf Wiesen und Feldern sein - irgendwo, wo wir uns sehr wohl gefühlt haben. Diesen Ort behalten wir dann in uns und rufen ihn uns in die Gegenwart, wenn wir uns gerade nicht so wohl fühlen oder wir gestresst sind. Mit dem Bild von dem traumhaften Ort kommt dann auch das Gefühl wieder, das wir an dem Ort hatten. So können wir es hinbekommen, etwas aus einem anderen Blickwinkel zu sehen oder gelassener an eine Sache heranzugehen.
Viele denken leider erst an Entspannung, wenn sie total verspannt und/ oder gestresst sind. Diese Übungen sind aber auch empfehlenswert zur Vorbeugung, um erst gar nicht soweit zu kommen, dass man unter Stress leidet. Ein paar Minuten am Tag oder alle paar Tage reichen schon.
Generell kann es auch in einer anstrengenden, schwierigen und aufregenden Situation helfen, sich kurz auf den eigenen Atem zu konzentrieren. Das merkt keiner und geht so schnell und einfach.
Ich bin auch eher der Typ, der sich gerne auspowert nach einem langen Arbeitstag, z. B. beim Sport im Fitnessstudio. Aber ab und zu tut auch die Ruhe ganz gut und für solche Phasen kommen für mich die beiden o. g. Möglichkeiten schon mal ganz gut in Frage. Für mich kam der Tag heute genau richtig - jetzt kann ich die restlichen 1,5 Wochen nutzen, um mich auf die Klausur vorzubereiten und gehe völlig locker daran. Natürlich immer noch mit dem nötigen Ernst, ganz locker gehts dann doch nicht. Aber die Tipps helfen eine Menge.
Am Nachmittag habe ich dann an dem Workshop "Erbsen auf halb sechs" teilgenommen, in dem wir den Film "Erbsen auf halb sechs" angesehen haben. Hier könnt Ihr lesen, worum es in dem Film geht. Der Fim ist sehr zu empfehlen. Er ist nicht traurig, auch wenn erst etwas so anhört. Er regt zum Nachdenken an und lässt einen auch für das dankbar sein, was man hat. Schaut ihn Euch einfach mal an - er ist wunderschön und lässt einen auch manches mit anderen Augen sehen.
Ich lasse die ganzen Erfahrungen jetzt erstmal auf mich wirken. Demnächst werde ich dann mal berichten, wie es so läuft bei mir und ob ich mich noch mehr damit beschäftigt habe.
Ein rundum gelungener Tag - herzlichen Dank an alle, die den Tag organisiert haben.
Samstag, 9. Januar 2010
Am 30.12. waren die New York Gospel Stars in Leverkusen-Wiesdorf und haben dort ein Konzert gegeben.
Das war mein erstes Gospel-Konzert und ich durfte es von der ersten Reihe aus erleben. Atemberaubend - super - genial! Man kann es nicht beschreiben, man muss es erleben.
Sie sind noch in weiteren Städten auf Tour - schaut doch mal hier. Da findet Ihr Tourdaten und viele weitere Informationen.
Falls Ihr an einem der genannten Termine noch nichts vorhabt, gönnt Euch Tickets für einen der Auftritte - Ihr werdet es garantiert nicht bereuen. Man sieht, wie sehr der Glaube an Gott, aber auch die Freude an Musik die Auftritte gestalten. Gut gelaunt und mit klaren und lauten Stimmen präsentieren sie jeden ihrer Songs. Amazing Grace und He´s got the whole world in his hands sind mir am Besten in Erinnerung geblieben, aber auch alle anderen Lieder und Darstellungen waren einfach sehenswert!
Ich würde jederzeit wieder hingehen.
Sonntag, 15. November 2009
Fragen wir uns das nicht alle im Laufe unseres Lebens öfter mal? Wer ist Gott und wo ist er? Vor allem die Frage "Wo ist Gott?" stellen wir uns, wenn wieder einmal etwas schief läuft oder etwas Schlimmes passiert. Und stellen wir uns diese Frage nicht zu Recht?
Trotzdem finden bei schlimmen und traurigen Ereignissen viele Leute in die Kirche und vielleicht auch zu Gott. So z. B. konnte man in den letzten Tagen viele Trauernde mit einer Kerze in der Hand sehen - mit vielen anderen Trauernden gemeinsam. Und wo haben sie sich versammelt? In der Kirche - zum Gottesdienst. Wenn den Menschen nichts mehr anderes einfällt oder sie nicht wissen, wohin mit ihrer Trauer, dann finden sie den Weg zur Kirche. Und das ist keinesfalls einen Vorwurf wert, warum man sie die ganzen Jahre nicht in der Kirche gesehen hat, sondern im Gegenteil: es ist doch gut zu wissen, dass wir immer zu Gott kommen dürfen und dass er uns niemals loslässt. Ein schönes Sprichwort sagt auch "Man kann nie tiefer fallen als in Gottes Hand". Das ist beruhigend zu wissen.
Für die Traueranzeige von Robert Enke hat die Witwe folgende Worte ausgewählt: Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass alles gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass alles einen Sinn ergibt, egal wie es ausgeht. (Zitat von Václav Havel). Für ihn sind scheinbar trotz Reichtum, Erfolg, Karriere, Zuspruch von Millionen Fans und Geld scheinbar die Fragen des Lebens nicht beantwortet worden. Was sind dann die Fragen des Lebens? Gibt es noch mehr als Reichtum, Geld und Anerkennung? War es überhaupt richtige Anerkennung, die er von den Fans erlebt hat? Ich kann mir vorstellen, dass man als Fußballstar auch viel Wut der Fans abbekommt, z. B. wenn man den Gegner nicht abhalten konnte oder der Ball im eigenen Tor landet. Mal der Star und dann wieder der Buh-Mann. Das ist sicher nicht leicht. Was in ihm vorging, kann niemand nachvollziehen. Man kann nur versuchen zu verstehen und beten.
Auch in unseren Charts und bei unseren Sängern spielt die Frage nach Gott eine Rolle. Das Lied "One of us" von Joan Osbourne, das im Radio auch heute noch gespielt wird, handelt von Gott und vermutlich weiß es kaum jemand. Hier ist der Text des Liedes. Und hier ist die Übersetzung. Ich jedenfalls habe bis zum Gottesdienst in St. Franziskus Leverkusen nicht besonders darüber nachgedacht. Ich habe das Lied immer so im Hintergrund gehört, ohne den Text wirklich mal zu übersetzen. Dabei ist da soviel Wahres dran. Was wäre denn, wenn Gott wirklich ein Fremder wäre, der mit uns im Bus nach Hause fährt? Wie würden wir ihn behandeln? Würden wir ihn erkennen?
Dieser Gottesdienst am Sonntag in der Gemeinde St. Franziskus war speziell für die Jugendlichen, die sich auf die Firmung vorbereiten. Sie haben den ganzen Sonntag noch mit verschiedenen Gedanken rund um die Frage "Wer ist Gott" verbracht und sicher auch einige Antworten oder Lösungsansätze gefunden. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass sicher auch viele Erwachsene zum Nachdenken angeregt wurden. Denn die Frage "Wer ist Gott" stellt sich ja nicht nur Jugendlichen, sondern sicherlich jedem von uns irgendwann in irgendeinem Zusammenhang.
Dienstag, 10. November 2009
Seit der Erstkommunion war ich Messdienerin. Als wir von Olsberg nach Winterberg-Siedlinghausen (1990) umgezogen sind, konnte ich sogar den Pfarrer von Siedlinghausen davon überzeugen, dass auch Mädchen in der Messe dienen sollten. Bis dass wir dorthin gezogen sind, durften nur Jungen Messdiener werden. Ich habe mich sehr gefreut, dass der Pfarrer meinen Vorschlag umgesetzt hat. Es sind seitdem viele Mädchen Messdienerinnen geworden und ich durfte sogar einige anlernen. Bis zum 17. Lebensjahr (bis mir die Gewänder nicht mehr passten) war ich Messdienerin in Siedlinghausen, habe bei Familiengottesdiensten gerne mal die Fürbitten vorgelesen oder auch die Lesung.
Und jetzt habe ich mir überlegt, dass ich mich eigentlich mal wieder in der Kirche betätigen könnte. Ok - als Messdienerin wahrscheinlich nicht mehr - dafür bin ich dann doch zu alt. Ich hatte an Lektorin gedacht und habe mich mal in der Sakristei gemeldet. Irgendwann bin ich dann angesprochen worden, ob ich nicht Lust hätte, mich in dem neuen Ortsausschuss zu engagieren. Ich wusste bis dahin nicht, was es bedeutet. In diesem Jahr wurde und wird einiges neu organisiert. Die bestehenden Pfarrverbände werden zusammen gelegt zu einer Pfarreiengemeinschaft "Leverkusen Südost". Das heißt, dass es für den ganzen Pfarrverband nur noch einen Pfarrgemeinderat geben wird. Um die `Arbeit vor Ort` in den einzelnen Gemeinden nicht zu kurz kommen zu lassen, hat sich Pfarrer Zöller dafür ausgesprochen, in den einzelnen Gemeinden Ortsausschüsse zu bilden.
Am 4. Oktober waren in meiner Kirchengemeinde St. Franziskus in Leverkusen die Ortsausschuss-Wahlen. 17 Freiwillige hatten sich für die Mitarbeit im Ortsausschuss gemeldet. Wir hatten ein kurzes Vortreffen, auf dem wir uns gegenseitig vorgestellt haben. Nun hatte die Gemeinde am 4. Oktober die Wahl - genauer gesagt 2 Wahlen. Zuerst durften sie entscheiden, ob sie eine geheime Wahl oder eine Wahl durch Abstimmung per Handzeichen treffen möchten. Alle haben sich für die Wahl per Handzeichen entschieden. Hätte einer gegen die offene Wahl gestimmt, wäre geheim gewählt worden. Daher war alles vorbereitet, inkl. Wahlzettel. Diejenigen, die zur Wahl standen, haben sich selbst vorgestellt bzw. diejenigen, die nicht anwesend sein konnten, wurden vorgestellt. Ein erfreuliches Ergebnis: die Gemeinde hat entschieden, dass alle, die sich gemeldet haben, auch im Ortsausschuss tätig sein sollen. Daher wurden wir alle gewählt. Ich freue mich auf die Tätigkeit und bin gespannt, wie wir unterstützen und was wir bewegen können.
Hier gibt es eine Übersicht über alle Mitglieder des Ortsausschusses der Gemeinde St. Franziskus Steinbüchel.
Aber damit noch nicht genug. Die zweite Wahl mit dem Motto "Wählen Sie doch mal Kirche" fand an dem Wochenende 7./ 8. November statt. An diesem Wochenende wurde der Kirchenvorstand und der Pfarrgemeinderat für den neuen Pfarrverband "Leverkusen Südost" gewählt. Das Ergebnis der Wahl ist mir noch nicht bekannt. Ich bin sicher, dass "unsere" Steinbücheler Kandidaten aus St. Franziskus gute Wahlergebnisse erzielen und die Gemeindemitglieder mit der Vorstellung ihrer Schwerpunkte überzeugen konnten.
Bald haben wir unsere erste Ortsausschuss-Sitzung. Ich werde sicherlich demnächst mal wieder berichten, wie es so weitergeht.
Sonntag, 25. Oktober 2009
Ich habe vor einiger Zeit mal einen Beitrag geschrieben unter dem Titel "Was soll ich für Dich tun". Im heutigen Gottesdienst St. Franziskus in Leverkusen ging es wieder um dieses Evangelium. Wir wurden gefragt, ob wir nicht auch manchmal blind sind oder immer blinder werden durch die ganzen Eindrücke, die durch das Fernsehen auf uns einprasseln. Eine Statistik zeigt, dass jeder Deutsche durchschnittlich 4 Stunden pro Tag Fernsehen schaut. Wann haben wir denn das letzte Mal ein Buch gelesen oder das Fernsehen bewusst ausgeschaltet, um interessante Gespräche zu führen oder für unsere Mitmenschen da zu sein? Ich schließe mich da natürlich ein. Klar ist es oft einfacher, sich vom Fernsehen berieseln zu lassen als tiefgreifende Gespräche zu führen. Aber ist es wirklich immer richtig?
Patrick und ich haben mal einen Artikel gelesen, der mir in diesem Zusammenhang einfällt. Eine Familie besitzt kein Fernsehen. In dem Artikel wurden dann so interessante Fragen gestellt wie "Woran wird dann die Sitzgarnitur ausgerichtet" und "Womit vertreiben sie ihre Freizeit". Die Antworten lauten die Sitzgarnitur wird als Gesprächsrunde aufgestellt, dass wir uns auch gegenüber sitzen und uns gut unterhalten können. Die Freizeit wird mit Lesen, Unterhaltungen und Spielen verbracht. Nachrichten werden in der Zeitung oder auch im Internet gelesen. Und das war jetzt nicht eine Familie, die ungewöhnlich war oder ohne Spaß lebte. Nein, eine ganz normale Familie. Natürlich haben sie auch etwas Zeit im Internet verbracht oder auch Computerspiele gespielt, besonders die Kinder. Aber die Zeit war eben begrenzt und es war durch den Verzicht auf Fernsehen viel Zeit übrig für das Familienleben, das woanders oft zu kurz kommt.
Aber ich möchte noch auf ein anderes Thema hinaus, das mir in dem Zusammenhang einfällt. Was tun wir denn, wenn es uns schlecht geht? Denken wir an Gott? Und wie bitten wir ihn, wie sprechen wir ihn an, was erwarten wir? Das ist das, worüber wir uns auch Gedanken machen sollten. Gott ist ja kein Wunderheiler, der auf Sätze wie "Gott, mach, dass es mir wieder gut geht" reagiert. Das ist an dem Satz zu erkennen "Dein Glaube hat Dir geholfen", den Jesus dem Blinden sagt, als er konkret sagt "Ich möchte wieder sehen". Sollten wir manchmal darüber nachdenken, ob unser Glaube auch in der Lage ist, uns zu helfen?
Wahrscheinlich denken wir öfter an Gott, wenn es uns schlecht geht. Wenn es uns gut geht, haben wir keinen Grund, an ihn zu denken? Vielleicht fällt uns dann nicht ein, an ihn zu denken, weil ja alles ok ist. Ist das Verhalten richtig? Ist das der Glaube, den Gott erwartet oder möchte er auch an unserem Leben teilhaben, wenn es uns gut geht und wir zufrieden sind? Wie wäre es, einfach mal danke zu sagen, dass es uns gut geht? Meiner Meinung nach gehört beides zu unserem Glauben, der uns helfen kann: Bitten und Danken. Und auch danke sagen, wenn sich eine Situation aufgrund unseres Betens geregelt hat. Gott kann nicht einfach alles gut machen, sondern auch braucht unser Dasein und er braucht Menschen, die in seinem Sinne handeln. Und um nun wieder auf den Titel des Artikels zurückzukommen: Sind wir auch blind oder erkennen wir diese Menschen, die in Gottes Sinne handeln und auch diese Menschen, die unsere Hilfe brauchen? Oder sind wir Menschen, die in seinem Sinne handeln und uns nicht von der zunehmenden `Blindheit` anstecken zu lassen? Mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und mit Kleinigkeiten zu helfen, das ist sicherlich in Gottes Sinne und gehört genauso zum Glauben wie das Gespräch mit Gott, ob Bitten oder Danken.
Sonntag, 7. Juni 2009
Heute wird der Dreifaltigkeitssonntag gefeiert. An diesem Sonntag wird also dem dreifaltigen Gott nähere Aufmerksamkeit geschenkt: Dem Vater, dem Sohn Jesus Christus und dem Heiligen Geist. Genaueres darüber könnt Ihr hier lesen.
Damit gemeint ist der Vater, der alles erschaffen hat und natürlich, der seinen einzigen Sohn gesandt hat und der heilige Geist, von dem Jesus empfangen wurde. So heißt es in verschiedenen Liedstrophen im Gotteslob, aber auch im Glaubensbekenntnis.
Zu erklären ist es schwer, dass diese 3 Personen in unserem einen Gott zu verstehen sind. Besonderheit an dem heutigen Gottesdienst war die Segnung mit Weihwasser zu Beginn des Gottesdienst, während der man besonders das Kreuzzeichen macht "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes".
Samstag, 18. April 2009
Leider waren meine letzten Wochen nicht besonders toll, weil zwei Menschen plötzlich aus meinem Leben verschwunden sind. Es war eine schwere Zeit, gerade wenn das Osterfest eigentlich ein Grund zum Feiern sein soll. Aber vielleicht ist es ein Zeichen, dass gerade dann jemand stirbt, am Auferstehungstag?! Das fällt schwer zu glauben, wenn man gerade an diesem Tag einen lieben Menschen verliert, der einem wichtig war. Wenn man länger darüber nachdenkt, kann man sagen: es war der Auferstehungstag Jesu - und das ist vielleicht kein Zufall.
Ich hatte die Gelegenheit, einen dieser Gottesdienste mitzugestalten und vorzubereiten. Ich habe mich im Internet auf die Suche gemacht nach Psalmen für die Todesanzeige, nach Lesungsvorschlägen, Evangelienvorschlägen, Fürbitten und Liedern für Trauergottesdienste.
Psalmen, z. B. als Überschrift für die Todesanzeige, habe ich mehrere gefunden, z. B. hier. Besonders passend finde ich "Ich bin die Auferstehung und das ewige Leben. Wer an mich glaubt, wird ewig leben, auch wenn er stirbt." oder "Meine Zeit steht in deinen Händen." Aber natürlich hat es viel mit der konkreten Situation zu tun, ob es eine Erlösung nach langer Krankheit oder ein plötzlicher Tod ist.
Ich kann jedem empfehlen, den Trauergottesdienst eines verstorbenen Angehörigen mitzugestalten, da es dazu beiträgt, dass es ein individueller Gottesdienst ist. Jeder Pfarrer bietet normalerweise vor der Beerdigung ein Gespräch mit den nächsten Angehörigen an, in dem man seine Wünsche äußern kann, welche Texte und Lieder im Gottesdienst gelesen bzw. gesungen werden sollen. Wenn man selbst nicht direkt Ideen hat, welche Lieder und Texte ausgewählt werden, hat jedes Pfarrbüro auch Vorschläge, aus denen man auswählen kann.
Die meisten Texte und Lieder habe ich selbst ausgewählt und die Fürbitten sogar selbst geschrieben. Um den Lesern meiner Seite für einen Fall auch Vorschläge und Vorlagen zu geben, stelle ich meine Vorschläge gern zur Verfügung.
Die Eröffnung des Gottesdienstes erfolgt durch den Pfarrer und enthält meistens ein paar persönliche Worte über den Verstorbenen; wie er gelebt hat, wofür er sich besonders eingesetzt hat, was ihm wichtig war und was uns am meisten fehlen wird.
Hier ist die Lesung, die ich passend fand, aus dem Brief des Apostels Paulus an die Römer (Neues Testament, Römerbrief 6, 3 - 11). Wenn man möchte, kann man die Lesung auch selbst lesen bzw. jemanden auswählen, der die Lesung liest. Natürlich in Abstimmung mit dem Pfarrer.
Ein passendes Evangelium ist meiner Meinung nach aus dem Johannesevangelium, 14, Satz 1 - 14 oder auch verkürzt. Der Text ist hier zu finden. Das Evangelium wird durch den Pfarrer vorgelesen.
Anschließend folgen die Fürbitten, die man wieder selbst vorlesen kann oder auch vorlesen lassen kann. Diese Fürbitten habe ich selbst geschrieben und stelle sie auch gerne zur Verfügung. Sie können individuell angepasst werden, je nach den Wünschen und Bitten, die aus Sicht der Angehörigen wichtig ist.
Auch bei der Auswahl der Lieder kann man mit entscheiden, natürlich auch in Abstimmung mit dem Pastor. Denn wichtig bei der Liedauswahl ist, dass die Gemeinde die Lieder kennt, damit man nicht alleine singen muss.
Meine Liedauswahl sah wie folgt aus:
zur Gottesdienst-Eröffnung: Nr. 291 aus dem Gotteslob - Wer unter´m Schutz des Höchsten steht als Zwischengesang: Nr. 183 aus dem Gotteslog - Wer leben will wie Gott auf dieser Erde Bittgesang zwischen den Fürbitten: Nr. 18 aus "Singt dem Herrn" - Herr erbarme Dich zur Gabenbereitung: Nr. 620 aus dem Gotteslob - Das Weizenkorn muss sterben zum Sanctus: Nr. 67 aus "Singt dem Herrn" - Heilig Herr, heilig bist Du nach der Kommunion: Nr. 157 aus "Singt dem Herrn" - Von guten Mächten Schlusslied: Segne Du Maria, segne mich Dein Kind
Nach dem Gottesdienst erfolgt dann stillschweigend der Gang zum Friedhof, wo die Beerdigung stattfindet, durch den Pastor der Sarg bzw. die Urne gesegnet wird und Gebete gesprochen werden. Diese Minuten sind für die Angehörigen die schwersten, weil es dann den Abschied richtig bewusst macht und man in diesen Minuten die Erinnerungen nochmal Revue passieren lässt. Daher sollte meiner Meinung nach unbedingt respektiert werden, wenn in der Todesanzeige stand "Von Beileidsbekundungen am Grab bitten wir Abstand zu nehmen". Nicht jeder kann damit richtig umgehen - und oft findet man auch nicht die richtigen Worte.
In vielen Gemeinden gibt es das Liederbuch "Singt dem Herrn", das auf Anfrage ausgeteilt werden kann. Manchmal gibt es auch ähnliche Liederbücher. Ich gehe davon aus, dass die oben genannten Lieder in vielen anderen Liederbüchern auch enthalten sind. Das Liederbuch "Singt dem Herrn" gibt es scheinbar nicht mehr zu bestellen, aber es soll wohl ein Nachfolge-Buch "Ihm und uns" geben, das bald herauskommt. Ich bin relativ sicher, dass es ähnliche Bücher in sehr vielen Gemeinden gibt. Das Lied "Segne Du Maria" habe ich in keinem Liederbuch gefunden, ich habe es nur als Zettel.
Wenn Ihr Fragen habt oder Tipps benötigt, hinterlasst gerne einen Kommentar oder schickt mir eine E-Mail.
Die Mitgestaltung und Organisation ist bei allen gut angekommen und ich kann es wirklich jedem empfehlen, so an einem würdigen Abschied mitzuwirken. Das Feedback, das ich bekommen habe, war positiv. Das soll für alle, die in einer ähnlichen Situation sind, eine Ermutigung sein, sich aktiv an der Gestaltung zu beteiligen. Die Abstimmung mit dem Pastor läuft auch sehr reibungslos; er gibt ein kurzes Zeichen, wenn man aufstehen sollte zur Lesung und den Fürbitten, um sie vorzutragen.
Auf diesem Wege möchte ich allen danken, die mit lieben Worten, Karten und ihrer Anwesenheit geholfen haben und mir Kraft gegeben haben. Außerdem danke ich allen, die für mich da waren, mit denen ich reden konnte, wann ich es brauchte und auch denen für ihr Verständnis danken, bei denen ich mich aufgrund der Situation lange nicht gemeldet habe. Großer Dank an Patrick, der viel Verständnis hatte, wenn ich oft unterwegs war, keine Zeit hatte und auch nicht sehr gut gelaunt war. Ein besonderer Dank gilt auch dem Pastor für die herzliche Gestaltung des Gottesdienstes und das freundliche Gespräch vorab.
Donnerstag, 19. März 2009
Das Gleichnis vom barmherzigen Vater Lk 15,11-32 11 Weiter sagte Jesus: Ein Mann hatte zwei Söhne. 12 Der jüngere von ihnen sagte zu seinem Vater: Vater, gib mir das Erbteil, das mir zusteht. Da teilte der Vater das Vermögen auf. (Das Erbteil schon zu Lebzeiten des Vaters zu fordern, war erlaubt, galt aber als unschicklich.) 13 Nach wenigen Tagen packte der jüngere Sohn alles zusammen und zog in ein fernes Land. Dort führte er ein zügelloses Leben und verschleuderte sein Vermögen. 14 Als er alles durchgebracht hatte, kam eine große Hungersnot über das Land, und es ging ihm sehr schlecht. 15 Da ging er zu einem Bürger des Landes und drängte sich ihm auf; der schickte ihn aufs Feld zum Schweinehüten. 16 Er hätte gern seinen Hunger mit den Futterschoten gestillt, die die Schweine fraßen; aber niemand gab ihm davon. 17 Da ging er in sich und sagte: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben mehr als genug zu essen, und ich komme hier vor Hunger um. 18 Ich will aufbrechen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt. 19 Ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein; mach mich zu einem deiner Tagelöhner. 20 Dann brach er auf und ging zu seinem Vater. Der Vater sah ihn schon von weitem kommen, und er hatte Mitleid mit ihm. Er lief dem Sohn entgegen, fiel ihm um den Hals und küsste ihn. 21 Da sagte der Sohn: Vater, ich habe mich gegen den Himmel und gegen dich versündigt; ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu sein. 22 Der Vater aber sagte zu seinen Knechten: Holt schnell das beste Gewand, und zieht es ihm an, steckt ihm einen Ring an die Hand, und zieht ihm Schuhe an. 23 Bringt das Mastkalb her, und schlachtet es; wir wollen essen und fröhlich sein. 24 Denn mein Sohn war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden. Und sie begannen, ein fröhliches Fest zu feiern. 25 Sein älterer Sohn war unterdessen auf dem Feld. Als er heimging und in die Nähe des Hauses kam, hörte er Musik und Tanz. 26 Da rief er einen der Knechte und fragte, was das bedeuten solle. 27 Der Knecht antwortete: dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das Mastkalb schlachten lassen, weil er ihn heil und gesund wiederbekommen hat. 28 Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater aber kam heraus und redete ihm gut zu. 29 Doch er erwiderte dem Vater: So viele Jahre schon diene ich dir, und nie habe ich gegen deinen Willen gehandelt; mir aber hast du nie auch nur einen Ziegenbock geschenkt, damit ich mit meinen Freunden ein Fest feiern konnte. 30 Kaum aber ist der hier gekommen, dein Sohn, der dein Vermögen mit Dirnen durchgebracht hat, da hast du für ihn das Mastkalb geschlachtet. 31 Der Vater antwortete ihm: Mein Kind, du bist immer bei mir, und alles, was mein ist, ist auch dein. 32 Aber jetzt müssen wir uns doch freuen und ein Fest feiern; denn dein Bruder war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wieder gefunden worden. Quelle In welcher Rolle würden wir uns hier finden? Wie finden wir das Verhalten des Vaters? Was löst es in uns aus? Fühlen wir Ungerechtigkeit über das Verhalten des Vaters? Für wen würden wir uns einsetzen? Wen können wir verstehen?
Als ich mich mit diesem Gleichnis beschäftigt habe, war mein erster Gedanke: Wie ungerecht von dem Vater... und ich hätte mich sofort auf die Seite des älteren Sohnes gestellt. Ich kann mir vorstellen, dass viele auch so reagieren würden und dem älteren Sohn Recht geben?
Was ist aber, wenn wir uns in der Situation des jüngeren Sohnes finden? Das kann ja auch mal vorkommen, dass wir merken, einen falschen Weg eingeschlagen zu haben. Und dann ist es doch gut zu wissen, dass wir zurück gehen können und mit offenen Armen empfangen werden. An Stelle des Sohnes ist es bestimmt ein gutes Gefühl, so freudig empfangen zu werden.
Sicherlich können Eltern auch den Vater verstehen: Sohn bleibt Sohn, Tochter bleibt Tochter und die Tür zum Elternhaus steht jederzeit offen. Eltern können das Tor nicht verschließen, das bringen sie nicht über ihr Herz.
Dieses Gleichnis ist heute genauso aktuell wie früher. Wer kennt nicht die Situation, dass man die subjektive Wahrnehmung hat, die Geschwister werden bevorzugt? Oder welches Gefühl kommt auf, wenn man sich in die Lage des Vaters versetzt? Wenn man es von außen betrachtet (ohne in der Elternrolle zu stecken), könnte eine Aussage sein "Ich würde das nicht mit mir machen lassen" oder "Er hat es so gewollt, jetzt muss er auch sehen, wie er klar kommt". Jedem fällt sicher ziemlich schnell eine Situation ein, die man mit dieser vergleichen kann.
Um es jetzt mal wirklich als Gleichnis zu sehen: Wir wissen auch immer, dass wir trotz unserer Fehler und Sünden mit offenen Armen empfangen werden und nicht verstoßen werden. Uns wird verziehen und wir dürfen jederzeit umkehren, auch wenn wir Gott eine Zeitlang den Rücken gekehrt haben. Wichtig dabei ist die Einsicht und der eigene erste Schritt.
Interessant ist diese Darstellung der unterschiedlichen Sichtweisen. Es wird aus jeder Perspektive geschrieben, welche Gründe es für das Verhalten gibt.
Es gibt dazu auch ein Spiel, das Kindern und Jugendlichen dieses Gleichnis spielerisch näher bringen soll. Hier ist es zu finden. Und hier habe ich ein paar Fragen gefunden, die zeigen, ob man das Gleichnis verstanden hat.
Mittwoch, 18. März 2009
Ich habe mich in letzter Zeit oft mit Kirche, Glaube, Gott und Jesus beschäftigt. Das hat keinen bestimmten Grund, sondern hat sich einfach so ergeben. Ich war schon immer der Kirche irgendwie verbunden, z. B. war ich auch als Kind und Jugendliche relativ regelmäßig in der Kirche und war bis zum 18. Lebensjahr Messdienerin (bis dass mir die Gewänder nicht mehr passten).
Ich merkte in der letzten Zeit öfter, dass Dinge geschehen, die ohne mein Zutun geschehen bzw. die durch Menschenhand allein nicht gelöst werden können.
Aufgrund meines wachsenden Interesses bin ich auch im Internet auf eine interessante Seite gestoßen: Jesus und ich. Ich habe eine Zeitlang intensiv die Beiträge gelesen, bevor ich sie in meine Blogroll aufgenommen habe. Mittlerweile bin ich der Meinung, dass sie auch für die Leser meiner Seite einen Mehrwert bringt und Euch zum Nachdenken anregt. Aber seht selbst und schaut dort ab und zu mal vorbei. Ich finde, sie bringt auch zum Nachdenken, wenn Kirche und Gott nicht so präsent für Euch ist. Es werden dort immer wieder Erlebnisse, Begegnungen und Informationen aufgeschrieben, die hilfreich und lesenswert sind. Macht Euch gerne selbst ein Bild und diskutiert auch gerne fleißig mit.
Donnerstag, 5. März 2009
Das Gleichnis von Jesus und dem Blinden hat mich in den letzten Tagen öfter beschäftigt: “Als Jesus Jericho gefolgt von seinen Jüngern und einer großen Menschenmenge verließ, saß da am Straßenrand ein Blinder und bettelte. Als der Blinde hörte, dass es Jesus von Nazareth war, der da vorbeikam, fing er an, laut zu rufen: „Jesus, Sohn Davids! Hab Erbarmen mit mir!“ Viele fuhren ihn an, er solle still sein; aber er schrie nur noch lauter: „Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!“ Da blieb Jesus stehen und sagte: „Ruft ihn her!“ Einige liefen zu dem Blinden hin und sagten zu ihm: „Fasse Mut, steh auf! Jesus ruft dich!“ Da warf der Blinde seinen Mantel ab, sprang auf und kam zu Jesus. „Was willst du?“ fragte Jesus. „Was soll ich für dich tun?“ Der Blinde sagte: „Mein Herr und Meister, ich möchte wieder sehen können!“ Jesus antwortete: „Geh nur, dein Vertrauen hat dir geholfen!“ Im gleichen Augenblick konnte er sehen und folgte Jesus auf seinem Weg.“ Jesus handelt nicht einfach, sondern er fragt uns: Was soll ich für dich tun? Wir dürfen mit unseren Bitten zu ihm kommen und wenn wir glauben, werden sie erhört. Denn wir helfen uns selbst, indem wir glauben. Die Frage "Was soll ich für dich tun" sollte uns immer wieder begleiten und wir sollten eine Antwort darauf suchen, immer wieder von Neuem. Nur wenn wir unsere Bitten und Wünsche konkret formulieren, können sie erfüllt werden. Unter diesem Link sind noch einige Anregungen zum Nachdenken aufgeschrieben.
Letzten Sonntag wäre statt der Predigt eigentlich der Fastenhirtenbrief von Joachim Kardinal Meisner, Erzbischof von Köln vorgelesen worden. Stattdessen hat der Diakon in der Gemeinde St. Franziskus mit den Kommunionkindern darüber gesprochen, was es bedeutet "Kehrt um, denn das Reich Gottes ist nahe". Manchmal stehen wir in einer Sackgasse in unserem Leben und wissen nicht mehr weiter. Dann müssen wir umkehren, schauen, welchen Weg wir nehmen, was wir besser machen. Die Fastenzeit wurde verglichen mit einem Blick von einem Berg aus. Wenn man auf einem Berg steht, dann sieht man den Weg, den man zurück gelegt hat und stellt auch manchmal fest, dass man einen Umweg gegangen ist. Nicht immer sind Umwege schlecht, sie führen auch zum Ziel - manchmal sind Umwege mühsam, manchmal verlaufen wir uns. All das nicht nur beim Wandern oder bei Fahrten in den Urlaub, sondern auch im richtigen Leben. Und dafür ist die Fastenzeit gut, um mal zu schauen, wie wir unsere Wege einfacher (nicht nur einfacher für uns - sondern auch für unsere Mitmenschen) gehen können. Kehrt um heißt für mich, über den Weg, den ich gegangen bin, nachzudenken und umkehren in Richtung Gott. Oft wird Gott in unserem Alltag vergessen, weil uns die Zeit fehlt oder die Gedanken um 1000 verschiedene Dinge kreisen. Die Fastenzeit kann man nutzen, um sich zu besinnen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Trotz dieses wichtigen Themas in der Predigt habe ich mir den Fastenhirtenbrief durchgelesen. Es geht um die "Sorge um Priesterberufungen". Wirklich lesenswert: hier ist der Link zum vollständigen Fastenhirtenbrief 2009. Ich wünsche Ihnen und Euch allen eine besinnliche Fastenzeit.
Samstag, 14. Februar 2009
- der Tag der Liebenden. Viele sagen, dass dieser Tag von den Blumengeschäften erfunden wurde. Vielleicht ist das auch teilweise so, denn der Tag wurde von den Floristen bestärkt beworben. Dennoch beruft sich der Tag auf den heiligen Valentin von Terni, der Verliebte trotz des Verbots von Kaiser Claudius II. getraut haben und er hat ihnen Blumen aus seinem Garten geschenkt. Er wurde am 14. Februar 269 hingerichtet deswegen. Mehr dazu gibt es bei Wikipedia zu lesen. Jedoch auch auf die Kirche ist der Valentinstag zurückzuführen, denn dort wird am 14. Februar die Ankunft Jesu als himmlischer Bräutigam zur himmlischen Hochzeit gefeiert. Mehr Informationen zum Valentinstag gibt es auch bei Wikipedia. Ich finde diese Bräuche des Valentinstages zwar schön, aber man braucht nicht unbedingt diesen Tag dazu, um dem Partner zu sagen, dass man ihn liebt. Besser ist, wenn man das ganze Jahr über so tut, als wäre Valentinstag. Euch allen wünsche ich einen schönen und romantischen Tag.
Sonntag, 8. Februar 2009
Heute fand ein Gottesdienst mit den Firmlingen statt, die in einem Monat das Sakrament des heiligen Geistes in St. Matthias Leverkusen bekommen. Die Eröffnungsfrage war: Warum gehen wir eigentlich in den Gottesdienst? Um über Dinge nachzudenken, für die im Alltag keine Zeit bleibt; um in einer Gemeinschaft zu sein und auch um Jesus zu begegnen. Thema war also heute "Was ist eigentlich der heilige Geist"? Die Geschichte, die dazu bekannt ist, sind die Feuerzungen, die sich auf allen Köpfen der Jünger verteilt haben. Es wurden Fragen gestellt wie "Warum verteilten sich Feuerzungen auf allen Köpfen"? Das ist natürlich nur ein Bild, um das Ganze verständlicher zu machen. In einer kleinen Unterhaltung wurde dann die Frage gestellt: ich kann den Heiligen Geist doch gar nicht sehen, wofür soll er denn dann gut sein? Wir bekommen Stärke und "können Feuer und Flamme sein für die Sache Jesu". Aber sind wir das wirklich? Feuer und Flamme für die Sache Jesu? Das wird oft genug in Frage gestellt. Wir kennen Sprichwörter wie "ich bin Feuer und Flamme", d. h. ich setze mich für die Sache ein oder "der Funke springt über" - d. h. ich kann auch andere begeistern und sie verstehen mich. Die Frage, die mich besonders bewegt hat: Warum zweifeln wir nicht an Dingen wie z. B. Liebe, Hoffnung oder auch Angst? Die sind da, jeder kennt die Situationen und niemand stellt in Frage, dass es sie nicht gibt. Da haben wir keine Zweifel, dass es sie nicht gibt, aber wenn es um Gott geht, dann können sich viele Leute nicht vorstellen, dass es ihn gibt. Aber warum? Nur, weil wir ihn nicht sehen können? Und was ist der Unterschied zu den genannten Dingen Liebe, Hoffnung, Angst? Gibt es einen Unterschied? Was lässt immer mehr Menschen daran zweifeln? Ich freue mich, zu sehen, dass sich Firmlinge in der heutigen Zeit immer noch für die Firmung, also den Empfang des Heiligen Geistes entscheiden. Die Kirche war heute wieder sehr voll und das ist aus meiner Sicht nicht alltäglich und nicht in allen Kirchen üblich. In St. Franziskus ist die Kirche immer sehr gut gefüllt und jeder Gottesdienst ist etwas Besonderes. Am Schluss des Gottesdienstes wurde der Blasiussegen ausgeteilt, der speziell dazu ist, um vor Halskrankheiten zu schützen. Jedoch wurde der Segen bei uns verallgemeinert und der Satz lautete "Auf die Fürsprache des heiligen Blasius bewahre dich der Herr vor Kranheiten und allem Unheil. Es segne dich Gott, der Vater und der Sohn und der Heilige Geist." Früher als Kind wurde mir erzählt, dass der heilige Blasius jemanden gerettet hatte, der an einer Fischgräte zu ersticken drohte. Und diese Erzählungen gibt es, wie bei Wikipedia zu lesen ist, auch heute noch. Mehr zum Blasiussegen ist hier nachzulesen.
Donnerstag, 5. Februar 2009
Drei Geschichten zum Nachdenken
Der Faden
Eines schönen Morgens glitt vom hohen Baum am festen Faden die Spinne herab. Unten im Gebüsch baute sie ihr Netz, das sie im Laufe des Tages immer großartiger entwickelte und mit dem sie reiche Beute fing. Als es Abend geworden war, lief sie ihr Netz noch einmal ab und fand es herrlich. Da entdeckte sie auch wieder den Faden nach oben, den sie über ihrer betriebsamen Geschäftigkeit ganz vergessen hatte. Doch verstand sie nicht mehr wozu er diene, hielt ihn für überflüssig und biss ihn kurzerhand ab. Sofort fiel das Netz über ihr zusammen, wickelte sich um sie wie ein nasser Lappen und erstickte sie.
Der Seiltänzer
In einer Stadt führte ein Seiltänzer in schwindelnder Höhe seine Künststücke vor. Zum Schluss die Hauptattraktion: er schiebt eine Schubkarre über das schwankende Seil. Als er sicher auf der anderen Seite angekommen ist, fragt er die Zuschauer, ob sie es ihm zutrauen, die Karre auch wieder zurückzuschieben. Die Menge klatscht begeistert Beifall. Dann fragte er einen einzelnen, der unten am Mast steht: "Trauen Sie mir auch zu, dass ich die Karre wieder zurückschiebe?" "Aber sicher" ruft der zurück und klatscht. "Dann," sagt der Seiltänzer, "dann kommen Sie herauf und steigen Sie ein, dann schiebe ich Sie herüber". Nein, so hatte er es nicht gemein. Er wollte doch Zuschauer bleiben.
Das Wasser
Die Fische eines Flusses sprachen zueinander: Es gibt Leute, die sagen, unser Leben hänge vom Wasser ab. Aber was ist Wasser? Wir haben niemals Wasser gesehen. Da sprachen einige, die klüger waren als die Anderen: Wir haben gehört, im Meer draußen lebe ein gelehrter Fisch, der alle Dinge weiß. Wir wollen zu ihm gehen und ihn bitten, uns das Wasser zu zeigen. Da machten sich einige auf und suchten das Meer. Sie fanden endlich auch den Fisch und erzählten ihm, dass sie das Wasser suchten. Der alte Fisch hörte sie an und sagte: "Wie soll ich Euch das Wasser zeigen? Ihr bewegt Euch darin. Aus dem Wasser kommt ihr, im Wasser endet Euer leben. Ihr lebt im Wasser und wisst es nicht. Alles, was Euch umgibt, ist Wasser." Wenn wir auf der Suche sind nach Gott, so hören wir: Alles ist Gott. Alles Leid ist Gott und alles Glück. Alles Schicksal ist Gott und alle Mühe, es zu bestehen, ist auch Gott. Nichts ist, das nicht in Gott wäre. Was auch könnte bestehen außer in Gott?
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